"Unsinniges" Jobverbot

11. Februar 2005, 16:09
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Asylwerberin neun Jahre im Land, doch arbeiten darf sie nicht

Wien - Pauline A. (21, Name geändert) lebt seit neun Jahren in Österreich. Sie hat einen Hauptschulabschluss und Berufserfahrung als Kunststopferin - und hätte einen neuen Arbeitgeber, der sie gerne anstellen würde.

Nur - das ist unmöglich, weil Pauline A. Asylwerberin ist; seit ihrer Ankunft in Österreich, also seit neun Jahren: Ein sogar für hiesige Verhältnisse extrem langes Leben in der Schwebe. Doch bei der aus Syrien stammenden Familie A. folgte der Ablehnung eines ersten Asylantrags ein zweiter. Vergleichbare Fälle hatten gezeigt, dass Rückkehrer von den syrischen Behörden ins Gefängnis geworfen wurden.

Ausländerbeschäftigungsgesetz

Nun dürfen Asylwerber in Österreich theoretisch zwar arbeiten - laut Ausländerbeschäftigungsgesetz vom Mai 2004 drei Monate nach Stellen ihres Asylantrags. Aber ein gleichzeitig mit dem Gesetz verabschiedeter Durchführungserlass schränkt die Jobauswahl auf Saison- und Erntearbeit ein. Ein laut Heinz Fronek von der Asylkoordination "unsinniger" Ausschluss von Asylwerbern vom Arbeitsmarkt, wie sich bei Menschen wie Pauline A. zeige.

Zumal diese bis vor wenigen Monaten reguläre Arbeit gehabt habe: In Oberösterreich, wo Asylwerber vor Mai 2004 meist problemlos Beschäftigungsbewilligungen erhielten. Doch dann ging die Firma in Konkurs, A. verlor Job und Bewilligung. Eine neuerliche dürfte für sie unmöglich zu bekommen sein. Dabei, sagt Fronek, stelle allein die Fähigkeit, einen neuen Arbeitgeber zu finden, ihren hohen Integrationsgrad unter Beweis. Für Asylwerber sei das schwierig genug - weshalb ein liberalerer Arbeitsmarktzugang "keinen Run auf freie Stellen zur Folge hätte". Im Wirtschaftsministerium reagiert man indes mit Prüfung des Einzelfalls. Man werde versuchen, "eine gute Lösung" zu finden, hieß es auf STANDARD-Anfrage. (Irene Brickner/DER STANDARD, Printausgabe, 9.2.2005)

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