Fußball ist menschlich

21. Mai 2005, 21:34
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Wetten, dass sich der Fußballskandal auch in Österreich ausweitet? Irgendwann verplappert sich der erste Spieler, irgendwann hält einer der Wettanbieter, die um ihr Geschäft fürchten, nicht mehr dicht. Der Sportmanager des GAK hat unmittelbar nach dem ominösen 5:2 gegen die Admira von auffälligen Einsätzen gehört, er hat der Admira geraten, sie möge "auf ihre Jugos aufpassen", aber nicht Alarm geschlagen.

Der Wettskandal, den der deutsche Schiedsrichter Robert Hoyzer ausgelöst hat, hat sehr wohl mit einem Verfall der Sitten zu tun. Auch wenn es die Wette beinah so lang gibt wie das Spiel und jedenfalls länger als Insiderhandel oder Upgrading. Wer wettet, nimmt in Kauf, dass er nicht selbst über sein Geld entscheidet, dass es andere sind, die ihm dieses Geld mehren oder wegnehmen. Man muss sich als "Tippler" nur überlegen, ob ein Referee oder ein Tormann bestochen wurde, und schon hat man einen zusätzlichen Faktor, der den Reiz noch erhöht.

Nicht nur das Irren, auch das Sich-Bestechen-Lassen und Packeln ist menschlich. Wenn die italienische Meisterschaft ins Finish geht, nehmen die Wettbüros zig Spiele aus dem Programm. Jedes Kind weiß, dass im Finish nicht oft der bessere Italiener gewinnt. Nun sagte Hoyzer aus, dass seine Geschäftspartner auch in Österreich (und Griechenland) gerne Geschäfte machten. Hier zu Lande funktionieren die Kontrollmechanismen kaum besser als in Deutschland. Und wenn die Wettanbieter und der Fußballbund argumentieren, dass niemals auffällig hohe Beträge gesetzt wurden, übersehen sie geflissentlich, dass auch hundertmal hundert Euro 10.000 Euro ergeben.

Statt Beschwichtigung und Unter-den-Teppich-Kehren wäre Nachforschung angesagt. Die wird in Österreich wohl wie in Deutschland von den Medien erledigt werden müssen. (DER STANDARD, Printausgabe, Mittwoch, 9. Februar 2005)

Fritz Neumann
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