Auf ins Wortgefecht!

14. Februar 2005, 21:03
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Was so super daran ist, in einem Forum über Essen und Trinken zu schreiben, und wie man in dieser Situation Herr der Lage bleibt

Punkt eins: Essen und Trinken sind emotionale Angelegenheiten.
Punkt zwei: Die User der diversen Foren von derStandard.at sind hochemotionale Menschen im pathologischen Grenzbereich.
Konsequenz: Es spielt sich ganz schön was ab.

Trennlinie

Florian Holzer ;-o)

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Es gilt als allgemein bekannt, dass Journalisten primär für sich selbst beziehungsweise ihre unmittelbare Umgebung schreiben. Das lernt man zumindest, wenn man ein bisschen Kommunikationswissenschaft studiert, und man verifiziert es spätestens dann, wenn man allein vor einem Bildschirm sitzt, und diesem seine Gedanken zu irgendeinem Thema anvertrauen soll, und zwar in einem Maße, dass es die amorphe und anonyme Leserschaft da draußen vielleicht interessieren möge. Denn von ein paar Leserbriefen einmal abgesehen (vor allem von Ornithologen. Weiß auch nicht warum, aber Ornithologen dürften das Leserbriefschreiben als Ausgleichssportart entdeckt haben) sagen einem eigentlich nur Freunde, Kollegen, Familie und das eigene Gewissen, ob der Text jetzt gut oder eher ein Topfen war. Und mit der Zeit gewöhnt man sich da halt daran.

Umso mehr erschrickt man als Journalist dann, wenn man "den Leser" dann tatsächlich in der U-Bahn vor sich sieht – kein Gefühl ist eigenartiger als jenes, den Sitznachbarn in der dicht besetzten U-Bahn den eigenen und eigentlich in die unendliche Anonymität hineingeschriebenen Artikel lesen zu sehen ... Wenn Sie sich beim Lesen Ihres STANDARDS oder "Falters" von jemandem unangenehm beglotzt fühlen, dann bin dieser Glotzer mit hoher Wahrscheinlichkeit ich.

Themen, die einfach immer funktionieren

Im Onlinebereich ist das anders. Hier gehören der Dialog, das argumentative Kräftemessen, die gegenseitige Verunglimpfung und das anschließende Gemetzel irgendwie dazu, sind Teil der Performance. Sind so sehr Teil der Performance, dass Texte für den Standard.at natürlich auch bewusst provokanter formuliert, die Themen überhaupt schon so gewählt werden, dass mit möglichst großer Wahrscheinlichkeit eine köstliche kleine Debatte entflammt. Nicht, dass ich die User von derStandard.at als berechenbar bezeichnen möchte, Tatsache aber ist, dass ein paar Themen einfach immer funktionieren: alles, was irgendwie mit italienischem Essen zu tun hat zum Beispiel, oder alles, was auch nur ansatzweise am hervorragenden Ruf österreichischer Bierqualität kratzen könnte, oder alles, was eine etwaige Gegnerschaft zwischen Wein- und Bierkultur thematisiert.

Österreichisch Eigenheiten

Am wildesten wird die Debatte freilich dann, wenn Political Correctness beziehungsweise Schutz von Benachteiligten ins Spiel kommt – und da zählen Sonntagsöffnungszeiten von Geschäften oder Gratiswasser im Lokal genauso dazu wie Trinkgeld-Debatten – oder noch besser: österreichische Eigenheiten. Da wird's dann mitunter schon grenzwertig, Patrioten gegen Aufklärer, Bewahrer gegen Modernisierer, patriotische Exilösterreicher gegen austrophobe Exilösterreicher, die Messer fliegen tief, kein Auge bleibt trocken, und dabei geht's doch eigentlich immer nur ums Essen, und das in einer Rubrik, die sich "Leichtsinn" nennt.

Der Chef im Forum bin ich

Aber, was natürlich feststeht: Der Chef im Forum bin ich, und wer Unsinn postet beziehungsweise etwas, was meiner Meinung widerspricht oder dazu geeignet ist, meine Position zu untergraben, der kriegt eine aufs Haupt. Das muss leider so sein, weil da könnte ja sonst jeder kommen, und außerdem werden mir die Poster im späteren Leben, wenn sie erwachsen sind, sicher noch dankbar sein dafür. Abgesehen davon noch ein kleiner Tipp: überlegt posten, nicht spontan von der Leber weg, besser nüchtern als betrunken oder unter Einfluss von Medikamenten oder illegalen Drogen, besser ausgeschlafen als um drei Uhr in der Früh – zumindest dann, wenn man mir widersprechen will, über Lob, Anerkennung und Zustimmung freue ich mich natürlich zu jeder Tages- und Nachtzeit und in jedem Zustand.

  • Als Beispiel "Mein Tischnachbar" vom Juli 2003 mit Postings> Wurst vom PferdMit der Tatsache, dass Teile vom Schwein, fallweise vom Rind und selten vom Lamm in der Wursthaut stecken, haben wir uns abgefunden. Esel und Pferd wollen wir da aber nicht so.
    foto: derstandard.at

    Als Beispiel "Mein Tischnachbar"
    vom Juli 2003 mit Postings

    > Wurst vom Pferd
    Mit der Tatsache, dass Teile vom Schwein, fallweise vom Rind und selten vom Lamm in der Wursthaut stecken, haben wir uns abgefunden. Esel und Pferd wollen wir da aber nicht so.

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