Neuer Faktor für Wüstenausbreitung entdeckt

14. Februar 2005, 15:21
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Salzseen haben größeren Einfluss auf Klimawandel als bisher angenommen - Bakterien produzieren chlorhaltige Luftschadstoffe

Leipzig/Wien - Salzseen haben einen größeren Einfluss auf den Klimawandel als bisher angenommen. Bakterien in Salzseen produzieren Substanzen, die als Treibhausgase wirken und die Ozonschicht zerstören, wie das Umweltforschungszentrums Leipzig-Halle (UFZ) am Dienstag mitteilte. Das haben jetzt Wissenschafter des Forschungszentrums gemeinsam mit Kollegen aus Österreich, Russland und Südafrika nachgewiesen.

Es handelt sich dabei um so genannte leichtflüchtige halogenierte Kohlenwasserstoffe (LHKW), die sich weltweit über die Atmosphäre ausbreiten und auch die Vegetation schädigen. Letztendlich nimmt durch den Klimawandel die Bodenerosion zu, Salzseen und Trockengebiete breiten sich aus. Von österreichischer Seite war Dr. Erich Putz vom Institut für Geophysik, Astronomie und Meteorologie der Universität Graz an dem Projekt beteiligt.

Kohlenwasserstoffe nicht ausschließlich industrieller Herkunft

Bisher gingen Wissenschafter davon aus, dass die schädlichen Kohlenwasserstoffe fast ausschließlich durch industrielle Prozesse entstehen. Forscher fanden aber bereits vor einigen Jahren im Eis der Antarktis Spuren, die darauf hindeuteten, dass es neben industriellen auch natürliche Quellen geben muss.

Die verantwortlichen Bakterien gehören zu den ältesten und widerstandsfähigsten Lebewesen überhaupt. Sie überstehen problemlos Temperaturschwankungen von minus 25 bis plus 35 Grad. Auch Vakuum oder UV-Strahlung können sie nicht zerstören. Entscheidend für das Überleben der Bakterien ist die Konzentration an Salz und Wasser in ihrer Umgebung. Wird der Salzgehalt der Lösung stark verdünnt, dann sterben die Mikroorganismen ab.

Diese Luftschadstoffe verbreiten sich über die Atmosphäre innerhalb einiger Tage weltweit. Sie reichern sich in Pflanzen an und schädigen diese dann von innen heraus, indem sie den Schließmechanismus der Spaltöffnungen in den Blättern blockieren. Dadurch wird mehr Wasser verdunstet, der Wasserbedarf steigt und die Pflanzen können im Extremfall verdursten. Zwar gelangen die LHKWs aus den Salzseen schon seit langer Zeit in die Atmosphäre. Der prognostizierte Klimawandel verstärkt jedoch ihre schädigende Wirkung.

Sensible Vegetation in Wüsten

Trockengebiete sind davon besonders betroffen, weil die Vegetation dort sensibler auf diese Substanzen reagiert. Letztendlich nimmt die Bodenerosion zu - Salzseen und Trockengebiete breiten sich aus. Schon jetzt wächst die Fläche der Steppengebiete allein im Süden Russlands jedes Jahr um 500 Quadratkilometer. Klimaprognosen rechnen damit, dass sich der eurasische Steppengürtel zwischen Österreich und China weiter ausdehnt. Dieser reicht, wie Projektleiter Dr. Ludwig Weissflog vom UFZ der APA sagte, grob gesprochen vom Neusiedler See bis zur Wüste Gobi.

Welche Schadstoffmengen diese sich ausdehnenden Salzseen emittieren, ist vorerst nicht bekannt. Um dies zu erforschen, müsste man deren Fläche und Tiefe kennen, sagte Weissflog. Das Problem dabei: Bei den Gewässern handelt es sich oft um "Salzsümpfe", die nicht so einfach mit Booten zu befahren und zu vermessen sind. Die Forscher wollen nun "Modellseen" zu finden und untersuchen.

Die Ergebnisse der bisherigen Untersuchungen fließen in die praktische Umsetzung der UNO-Konvention zum Kampf gegen die Wüstenausbreitung ein. (APA)

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    Wüsten - wie hier die Ejina-Wüste in der Inneren Mongolei (China) - breiten sich nicht nur durch menschlichen Einfluss aus.

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