Pangl: "Noch haben wir keinen Skandal"

14. Februar 2005, 12:47
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Bundesliga-Vorstand gibt Gründung einer Sonderkommission bekannt und sieht die Liga gerüstet

Wien - Georg Pangl, der Vorstand der Österreichischen Fußball-Bundesliga, hat im Zusammenhang mit möglicherweise manipulierten Spielen in Österreich am Dienstagnachmittag im Gespräch mit der APA fest gehalten, "dass wir im Moment noch keinen Skandal haben. Aber die Liga ist vorbereitet. Wir werden alles aufdecken, was ans Licht gebracht werden muss." SW Bregenz bemühe sich um eine eidesstattliche Erklärung von Torhüter Almir Tolja. "Manager Kaiser hat mir das heute in einem Telefonat gesagt."

Der deutsche Skandal-Referee Robert Hoyzer hat nach Informationen von "Spiegel Online" gegenüber der Berliner Staatsanwaltschaft ausgesagt, dass der im Zuge der Wettbetrügereien verhaftete Filip S. enge Kontakte nach Bregenz pflegte, insbesonders zu einem Tormann der Vorarlberger, dessen Namen er jedoch nicht weiß. Tolja, die Bregenzer Nummer eins, hat am Montag betont, dass er in keine Spielabsprachen involviert und nie mit Filip S. in Kontakt gewesen sei.

Stickler: "Alles angesehen"

In das selbe Horn stößt ÖFB-Präsident Friedrich Stickler und meinte: "Ich würde die Katastrophenstimmung von Deutschland nicht auf Österreich überschwappen lassen." Es gebe bisher jedenfalls nur leichte Verdachtsmomente. Nach Angaben von Stickler, der auch als Vorsitzender der Geschäftsführung der Sportwetten GesmbH fungiert, habe diese vom Wett-Produkt "tipp 3" "alles angesehen, was in den letzten 18 Monaten im Programm war. Es gibt keine signifikanten Abweichungen. Wir haben sehr genau hineingeschaut, es gibt keine Indikatoren, dass was schief gelaufen ist." Das inkriminierte Match GAK - Admira ist jedoch noch nicht geprüft worden.

Auch bei "Admiral Sportwetten" wurden laut Auskunft von Vorstand Jürgen Irsigler "keine Auffälligkeiten" beim Wettverhalten der Kunden festgestellt. "Wir haben uns die besagten Partien noch einmal angeschaut sowie die Bregenz-Spiele aus der vergangenen und der laufenden Saison. In der Saison 2004/2005 gibt es überhaupt bei keinem einzigen Spiel einen Verdachtsmoment.

Warten auf Nachricht aus Berlin

Die Bundesliga wartete am Dienstagnachmittag noch auf Nachricht aus Berlin: "Wir warten auf einen Anruf von der Staatsanwaltschaft. Wenn wir vor Ort Akteneinsicht nehmen können, dann werden wir hinfahren. Wenn was herauskommt, dann werden wir uns auf die Fährte begeben. Aber im Moment ist nicht viel da", sagte Pangl.

Michael Grunwald, Pressesprecher der Berliner Staatsanwaltschaft, wollte sich zu den Anträgen auf Akteneinsicht von der Vorarlberger Sicherheitsdirektion und der heimischen Bundesliga nicht äußern. Am Wissensstand, dass sich der Verdacht bezüglich manipulierter Spiele nur auf Deutschland bezieht, hätte sich nichts geändert. "Es gibt keine neuen Erkenntnisse", so Grunwald.

Sonderkommission

Zusätzlich zur breits bestehenden Ad-hoc-Kommission aus Mitgliedern von Bundesliga, ÖFB, Schiedsrichtern, Sportwetten GmbH und Verantwortlichen des Verbandes der Buchmacher wird die Bundesliga eine zweite, interne Sonderkommission einberufen. "Bestehend aus fünf Personen, deren Namen ich noch nicht nenne", sagte Pangl. Sie wird sich auch mit einem möglichen Wettverbot von Schiedsrichtern und Spielern befassen. "Was die Spieler betrifft, kann natürlich auch ein Bruder oder Schwager wetten. Wir müssen schauen, ob so ein Verbot lächerlich ist oder Sinn macht."

Zu den in Medienberichten erwähnten "verdächtigen" Partien meinte Pangl: "Wenn sich die Verdachtsmomente erhärten, dann wird sich die Kommission die besagten Spiele genau anschauen. Es gibt noch keinen Anlass, die Spiele zu zerpflücken. Aber die Liga ist gewappnet." (APA/red)

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