EU-Beitritt Kroatiens könnte sich bis 2014 verschieben

11. Februar 2005, 20:41
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Verhandlungen mit Türkeit könnten kroatische verzögern - Washington habe kein Interesse an Auslieferung General Gotovinas

Zagreb - Der EU-Beitritt Kroatiens könnte sich bis zum Jahr 2014 verschieben, wenn die Verhandlungen darüber erst im Oktober und nicht wie geplant am 17. März beginnen. In diesem Fall würde Kroatien nämlich eine "Geisel" der türkischen EU-Beitrittsverhandlungen, deren Beginn für 5. Oktober angesetzt ist, berichtet die Zagreber Wochenzeitung "Globus" (Mittwoch-Ausgabe). Außerdem müsste das Land dann auch auf die anderen Balkan-Staaten warten, die nach einem EU-Beitritt streben. Die Regierung von Ministerpräsident Ivo Sanader müsse "alles tun, um diese Katastrophe zu verhindern".

Die Festnahme des flüchtigen kroatischen Generals Ante Gotovina sei "die einzige Frage", nach der die EU beurteilen werde, ob Kroatien die Bedingungen für die Aufnahme von Beitrittsgesprächen erfüllt, schreibt die Zeitung unter Berufung auf EU-Kreise. Zugleich wird ein europäischer Diplomat mit den Worten zitiert, die USA, Frankreich und Großbritannien hätten kein Interesse an einer Festnahme von Gotovina.

Die USA fürchten nämlich, er könnte die Rolle Washingtons bei der Rückeroberung der serbisch besetzten Gebiete Kroatiens im Jahr 1995 beleuchten. Frankreich käme die Aussage des Fremdenlegionärs Gotovina ebenfalls ungelegen, da er Geheimnisse aus der französischen Armee ausplaudern könnte. Großbritannien wolle Kroatien indes im Warteraum belassen, damit Serbien-Montenegro zu ihm aufschließen könne. Auch die Niederlande, Schweden und Dänemark zählten zu den Vertretern einer harten Linie gegenüber Kroatien, während Österreich für einen pünktlichen Beginn der Beitrittsgespräche eintrete.

EU-Erweiterungskommissar Olli Rehn hatte Ende Jänner gesagt, er könne keinen Beginn von Beitrittsverhandlungen mit Kroatien empfehlen. Die EU hat Kroatien im Dezember den 17. März als Datum für den Gesprächsbeginn genannt, zugleich aber bis dahin eine volle Kooperation mit dem Haager Kriegsverbrechertribunal gefordert. Konkret geht es um den Fall Gotovina, der seit 2001 vom UNO-Tribunal angeklagt ist. Obwohl es seitdem immer wieder Berichte gab, dass er sich aufhält, ist er bisher noch nicht festgenommen und ausgeliefert worden. (APA/STA)

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