Starker Anstieg von Produktfälschungen

17. Februar 2005, 09:52
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Im Jahr 2003 wurden in der Europäischen Union fast 100 Millionen Artikel beschlagnahmt - Tendenz steigend

Brüssel - Immer mehr gefälschte Markenprodukte gelangen in die Europäische Union. Nach einer am Dienstag in Brüssel veröffentlichten Statistik wurden im Jahr 2003 fast 100 Millionen solcher Artikel in der EU beschlagnahmt, gegenüber 85 Millionen im Jahr zuvor. "Das ist aber nur die Spitze des Eisberges", warnte der für Zollangelegenheiten zuständige EU-Kommissar Laszlo Kovacs am Dienstag in Brüssel. Die Dunkelziffer aller illegal nachgemachten Produkte in der Union liegt bei 400 Millionen.

Fälschungen werden immer besser

Besonders beliebt bei den Produktpiraten sind derzeit Kinderspielzeug, Nahrungsmittel, DVDs und Computer-Software. Egal ob Mobiltelefone, Druckerpatronen oder Pkw-Bremsanlagen - die Produktfälschungen sind selbst für Experten immer schwieriger von den Originalen zu unterscheiden. Dies zeige, dass Fälschungen von Markenprodukten mittlerweile im "industriellen Rahmen" hergestellt würden und die Fälscher über das nötige Fachwissen, Geld und Technik verfügten, sagte Kovacs. Sogar einer gefälschten BP-Tankstelle kamen die EU-Zollfahnder im vergangenen Jahr auf die Spur. Das Geschäft mit DVD-Raubkopien bringe schon "mehr Gewinne ein als der Drogenhandel", beklagte der EU-Kommissar.

Imitiertes Kinderspielzeug verzeichnete einen Anstieg von 996 Prozent gegenüber 2002, während gefälschte Lebensmittel und Medikamente wie "Viagra"-Kopien um 77 Prozent häufiger in die EU geschmuggelt wurden. Nachgemachte Kosmetika wurden 2003 von den EU-Zollbehörden gleich um 800 Prozent öfter beschlagnahmt als im Jahr zuvor. "Das ist eine Gefahr für die Gesundheit und die Sicherheit der Bürger", sagte Kovacs.

Starker Anstieg in Österreich

Wie aus den Statistiken der EU-Kommission hervorgeht, zählt Österreich zu den Ländern mit dem stärksten Anstieg an beschlagnahmten Raubkopien. 2003 wurden um 41 Prozent mehr gefälschte Waren in Österreich sichergestellt als im Jahr zuvor. Spitzenreiter in der damaligen EU-15 waren Belgien (plus 213 Prozent), Großbritannien (plus 147 Prozent) und Deutschland (plus 133 Prozent). Die vorläufigen Zahlen für 2004 zeigen, dass auch in der erweiterten EU mit einem massiven Anstieg von Produktfälschungen zu rechnen ist. In den ersten Monaten des Vorjahres stieg die Zahl der beschlagnahmten Fälschungen um zehn Prozent.

60 Prozent der Piraterie-Produkte kommen aus China, mit dem die EU kürzlich ein Zollkooperationsabkommen geschlossen hat. Der EU-Kommissar erhofft sich dadurch einen deutlichen Rückgang der Produktfälschungen, da Peking sich in dem Abkommen zum Kampf gegen die Produktpiraterie im eigenen Land verpflichtet hat. An zweiter Stelle der Ursprungsländer rangiert Hongkong mit sechs Prozent, dahinter folgen Malaysia und Taiwan. Neben Zollabkommen mit weiteren Ländern strebe die EU auch eine stärkere Zusammenarbeit mit Interpol an, sagte Kovacs. (APA)

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    Vernichtung von 24.000 gefälschten Uhren in Karlsruhe, Oktober 2001.

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