Ernst Fuchs: "Zeugung ohne Orgasmus"

8. Februar 2005, 12:04
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Neidbekenntnis eines "Erotomanen": Nobelpreis für Jelinek ein "rein politischer Schachzug"

Wien - Anlässlich seines 75. Geburtstages gab der Maler Ernst Fuchs in einigen Interviews sein Verständnis von Kunst, Frauen, Liebe und Leben im allgemeinen zum Besten.

"Das Künstlersein hat keine moralische Dimension mehr", sagte Fuchs unter anderem. Wenn man Goethe lese, finde man das Moralische noch. Oder bei Heinrich Böll als einem der letzten. Es sei nicht entscheidend, ob einer da von links oder rechts komme. Die Gewissenhaftigkeit sei es, welche die Poeten und Denker auszeichne.

Jelinek die Dramatik verbieten

Auf die Frage, ob er Elfriede Jelinek als Künstlerin für eine moralische Instanz halte, sagte Fuchs: "Nein. Ich finde sie als Lyrikerin sehr begabt, aber sie ist keine Dramatikerin. Wenn man ihr das verbieten könnte, würde ich es tun. Ihre Prosa ist gut geschrieben, aber es hat eher die Dimension, die man auch bei einer Francoise Sagan findet. Sie weiß schon, was sich gut verkauft." Jelineks Nobelpreis empfinde er "als rein politischen Schachzug". Dennoch meine er, dass die Kunst von Frauen generell immer noch zu wenig geschätzt würde.

"Kunst ohne Eros unmöglich"

Frauen spielten im Leben des Meisters stets eine beträchtliche Rolle. Der Ruf des "Erotomanen" erhärtete sich nicht zuletzt durch seine sechzehn Kinder. Fuchs bedauernd: "Leider galt ich als Erotomane, anstatt noch als einer zu gelten... Kunst ohne Eros ist unmöglich, denn dann wird sie abstrakt. Ein Kandinsky hat keinen Eros, und ein Mondrian ganz bestimmt noch weniger. Wenn Kunst doch von den Sinnen und für die Sinne gemacht wird, wie kann sie dann ohne Eros gemacht werden? Das ist ja wie eine Zeugung ohne Orgasmus, dann sind wir beim Klonen." (APA)

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    Ernst Fuchs belehrend ... mit erhobenem Zeigefinger
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