Suche nach Software-Patriotismus

15. Februar 2005, 10:05
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VÖSI: Branche findet zu wenig Anerkennung in Österreich

Im Verband der österreichischen Softwareindustrie (VÖSI) herrscht Frust. Der Grund: In Österreich herrsche ein eklatanter Mangel an Softwarepatriotismus. Die seit 1986 agierende Interessensplattform von rund 50 Unternehmen mit 15.000 Mitarbeitern sieht kein ausreichendes Echo für den Kern ihrer Arbeit, nämlich die Anerkennung der Softwarebranche als eine der Schlüsselindustrien der heimischen Wirtschaft.

Mächtig

"Die USA sind durch Software erfolgreich und mächtig geworden. Stets war man dort bereit, in die Entwicklung von Software in vielerlei Hinsicht zu investieren", blickt Peter Kotauczek, VÖSI-Präsident und Vorstandsvorsitzender der Beko Holding, nicht ohne Neid über den großen Teich. Dabei herrsche in Österreich prinzipiell der gleiche Softwarebedarf wie in den USA. "Wir haben das Nachfragepotenzial, nur verteilt man es auf zu viele kleine Themen und damit auf das ständige Wiedererfinden des Schubkarrenrades", sagt Kotauczek.

"Die Politik"

Unter "man" darf in diesem Fall grosso modo das verstanden werden, was in Österreich als "die Politik" bezeichnet wird. Und diese wird seit vielen Jahren vom VÖSI für die existierenden Strukturprobleme wie schwacher Kapitalmarkt für Start-ups oder eine ungelenkte Forschung verantwortlich gemacht.

"Im Bereich der Softwareforschung etwa mangelt es an einer Struktur für die Themen", stellt VÖSI-Vorstandsmitglied Günter Koch fest. Es gebe eine Menge Kompetenzzentren und Researchzentren, doch hätten diese kaum Kenntnisse untereinander. "Was wir bräuchten, wäre eine Zusammenfassung auf höherer Ebene, mehr Transparenz und Vernetzung, damit die Bedeutung von Software und Informationstechnologie deutlicher wird", sieht Koch einen Ausweg aus dem Dilemma.

IT-Investoren

"In Österreich gibt es zwar eine Brille für die Kfz-Zulieferindustrie, aber keine dafür, wie man IT-Investoren nach Österreich bringen könnte", ortet Manfred Prinz, VÖSI-Vorstand und Geschäftsführer der CSC Austria eine weitere Schwachstelle.

Prinz schwebt die Idee vor, Referenzprojekte etwa im Gesundheitsbereich, wo Österreich beispielsweise auf dem Gebiet der Gesundheitskarte (E-Card) in Europa eine führende Rolle einnimmt, ins Land zu bringen. "Österreich hat als kleines Land eine gute Größe, um Dinge auszuprobieren", ist Prinz überzeugt.

Selbstkritik

Sehr leise, aber doch, spricht Kotauczek auch ein wenig Selbstkritik aus: "Uns interessiert sicher oft nur das eigene Geschäft, aber wir wären gerne patriotischer, wenn man mit uns zusammenarbeiten würde." (kat, DER STANDARD Printausgabe 8. Februar 2005)

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