Italien hofft auf baldige Freilassung der verschleppten Journalistin

9. Februar 2005, 12:13
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Rice: "Wir bemühen uns, damit sie bald nach Hause zurückkehren kann"

Rom - Italien hofft auf eine baldige Freilassung der italienischen Journalistin Giuliana Sgrena, die am Freitag in Bagdad verschleppt worden war. Nachdem die fundamentalistische Terrorgruppe Islamischer Dschihad am Montagabend via Internet die baldige Freilassung Sgrenas angekündigt hat, ist man in Rom der Ansicht, dass die Reporterin der kommunistischen Tageszeitung "Il Manifesto" noch am Dienstag in Bagdad frei kommen könnte.

"Sgrena ist keine Spionin und wird freigelassen", hieß es in dem Schreiben. "Es wurde festgestellt, dass die Gefangene keine Spionin ist. Wir werden sie in den kommenden Tagen frei lassen", stand in der Presseaussendung. Die italienischen Geheimdienste überprüfen derzeit die Glaubwürdigkeit der Internet-Botschaft.

"Wir sind mit Sgrena und ihrer Familie solidarisch. Wir koordinieren unsere Initiativen mit der italienischen Regierung, damit sie so bald wie möglich freigelassen wird", sagte die US-Außenministerin Condoleeza Rice am Montag bei ihrem Rom-Besuch nach Angaben italienischer Medien. Rice trifft am Dienstag mit dem italienischen Außenminister Gianfranco Fini zusammen.

In der italienischen Hauptstadt gibt es indes immer mehr Initiativen und Appelle für die Freilassung der 56-Jährigen. Staatspräsident Carlo Azeglio Ciampi telefonierte am Montag mit Sgrenas Eltern und erklärte sich solidarisch mit ihnen. "Wir haben über Giulianas Arbeit, den Irak und den Zweiten Weltkrieg gesprochen. Ciampi weiß, dass ich ein Partisan war", sagte Franco Sgrena, Vater der Reporterin, die auch als Schriftstellerin und als Menschenrechtsaktivistin bekannt ist.

In Neapel und Mailand wurden Sit-Ins und Demonstrationen für die Journalistin organisiert. Die "Organisation des Dschihad im Zweistromland" hatte bereits am Samstagabend gefordert, dass Italien bis zum Montagabend alle 3000 im Irak stationierten Soldaten abziehen solle.

Die Terrorgruppe des jordanischen Terror-Drahtziehers Abu Musab al-Zarqawi dementierte dagegen entschieden, für die Entführung der italienischen Journalistin verantwortlich zu sein. al-Zarqawi betonte, die Gerüchte über seine Beteiligung an der Entführung hätten nur das Ziel, dem Ansehen seiner Organisation und jenem aller Moslems zu schaden. Auch der arabische TV-Kanal al-Jazeera forderte gestern die "sofortige Freilassung" Sgrenas und ihrer französischen Kollegin Florence Aubenas.

Die Regierung in Rom beteuerte, dass sie ihre Truppen nicht aus dem Irak abziehen werde. Die oppositionelle Partei der Italienischen Kommunisten (PDCI) kündigte inzwischen an, sie werde im Parlament einen Antrag zum Abzug der italienischen Truppen einbringen. (APA)

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