US-Jugendheim: Todesfall und Misshandlungsvorwürfe

9. Februar 2005, 18:52
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Betreiber des Camps weisen Anschuldigungen zurück - Ruf nach staatlicher Aufsicht

Washington - Ein Todesfall und schwere Misshandlungsvorwürfe gegen die Betreiber eines Heims für schwer erziehbare Jugendliche im US-Bundesstaat Missouri hat nun den Ruf nach staatlicher Aufsicht über privat betriebene Heime geweckt. Der 15-jährige Roberto R. war im November des Vorjahres im Camp gestorben, als Todesursache wurde ein Stich einer Spinne vermutet. Die Zeitung "Kansas City Star" berichtet dass der Tod des Jugendlichen vermutlich bei rechtzeitiger medizinischer Hilfe vermeidbar gewesen wäre.

Der Bursch hatte laut dem Bericht bereits eine Woche über Beschwerden geklagt, was vom Personal des Heims jedoch als "Spielchen" abgetan worden sei. Erst als er Atembeschwerden bekam wurden die Eltern kontaktiert, ob er gesundheitliche Probleme habe. Bei der Einlieferung ins Spital wurde der Tod festgestellt sowie Schürfwunden an Armen und Beinen. Der Bursche soll in die Dusche geschleift worden sein um Dreck und Fäkalien von seinem Körper abzuwaschen, so der Vorwurf in einer Klage, die die Eltern nun gegen die Betreiber erhoben.

Ein ehemaliger Angestellter des Lagers hatte vergangenen Sommer Beschwerden wegen Kindesmisshandlung im Lager bei den Behörden eingereicht. Laut Polizeiberichten wurden Kinder gezwungen am Boden zu schlafen, sie wurden gefesselt und mit Eiswasser bespritzt, mussten Erbrochenes wieder essen, sie durften nur selten auf die Toilette und die mit eigenen Fäkalien beschmutzten Kleider nicht wechseln.

Die Betreiber des "Thayer Learning Center Boot Camp" weisen alle Vorwürfe zurück. Sie präsentieren hingegen Dankesbriefe von Jugendlichen und deren Eltern für die lehrsame Zeit in dem Lager. Kinderschutzanwälte fordern dass die Praktiken in derartigen Lagern von den Behörden kontrolliert werden. Während im Bundesstaat Missouri etwa Tierheime der Kontrolle unterliegen, werden private Erziehungsheime nicht inspiziert. (APA)

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