Solo-Seglerin in Rekordzeit um die Welt

18. Februar 2005, 16:21
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Engländerin Ellen MacArthur brauchte 71 Tage und 13 Stunden und schlug Rekordhalter Joyen um einen Tag und 9 Stunden

London - Die Engländerin Ellen MacArthur hat einen neuen Rekord für die schnellste Solo-Weltumseglung aufgestellt. Am Montagabend erreichte die Einhandseglerin mit der Ankunft im Ärmelkanal die gedachte Ziellinie. Mit 71 Tagen und 13 Stunden war sie 1 Tag und 9 Stunden schneller als der bisherige Rekordhalter, der Franzose Francis Joyen.

Die 28-Jährige war Ende November losgesegelt und hatte seitdem keinen Fuß mehr an Land gesetzt. Mit ihrem 22 Meter langen Trimaran "B&Q" legte sie mehr als 43.000 Kilometer zurück. Sie trotzte Stürmen, navigierte vorsichtig zwischen Eisschollen und Eisbergen hindurch und entging knapp einem Zusammenstoß mit einem Wal. An manchen Tagen musste sie mit einer Stunde Schlaf auskommen.

Hauptproblem Müdigkeit

"Es war eine unglaublich anstrengende Reise, körperlich und mental", sagte die 28-Jährige völlig erschöpft, nachdem sie nach 42. 000 zurückgelegten Kilometern am Montagabend um 23.29 Uhr MEZ die imaginäre Ziellinie zwischen der französischen Insel Ushant und der britischen Halbinsel Lizard am westlichen Ende des Ärmelkanals überquert hatte.

In ihrer Heimat wurde McArthur wie eine Heldin empfangen. Gratulationen regnete es von der Queen abwärts, auch der entthronte Joyen stand nicht an, die Leistung seiner Nachfolgerin zu würdigen. Doch die Heldin war vor allem eins: sehr müde. Am Ende sei sie nahe daran gewesen, im Cockpit umzufallen und nur noch zu schlafen, meinte die Rekordlerin. Da halfen auch eigens von einem Experten aus Harvard erstellte Schlafpläne nicht: "Es wird einige Zeit brauchen, um mich zu erholen."

Viele viele Fans hatten sich vor dem Hauptquartier von McArthurs Team in Falmouth versammelt, in den vergangenen Wochen hatten 61.000 E-Mails die "B&Q" erreicht. Beim Einlaufen in den Hafen wurde der Trimaran McArthurs von einem Kriegsschiff der Royal Navy und einer ganzen Flottille von Privatbooten begleitet. Die in Australien konstruierte "B&Q" ist vollgestopft mit modernster Technik wie einem Anti-Kollisionssystem, Radar oder Satellitentelefon. Seine drei Rümpfe erlaubten Geschwindigkeiten von über 30 Knoten (56 km/h). Wetterzentren in den USA und Deutschland berieten McArthur über den besten Umgang mit heraufziehenden Wetterfronten. Trotzdem hing die Rekordverbesserung bis zum Ende an einem seidenen Faden. Am Kap der Guten Hoffnung noch fünf Tage vor der Zeit, knabberten ein Mastbruch und Flaute auf Höhe der Azoren an McArthurs Vorsprung.

Eine Schwäche für das Umrunden

Einen Namen in der Seglerszene hatte sich die Britin aber bereits vor ihrer diesmaligen Unternehmung gemacht. 2001 wurde sie als schnellste Frau Zweite bei der Weltumseglung Vendeé Globe. Sie war damals der jüngste Mensch, der je allein die Welt umsegelt hatte. Als 18-Jährige hatte McArthur ihr Essensgeld für die Schule gespart, um davon ihr erstes Boot zu kaufen und damit Großbritannien zu umrunden. (red/APA/dpa)

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    Ellen MacArthur schaffte Rekord in 71 Tagen um die Welt.

  • Großer Bahnhof für die Rekordlerin und ihren Trimaran im Hafen von Falmouth.
    foto: sky news/pa epa/sky news

    Großer Bahnhof für die Rekordlerin und ihren Trimaran im Hafen von Falmouth.

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