Leiter des UN-Programms "Öl für Lebensmittel" beurlaubt

8. Februar 2005, 18:57
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Generalsekretär Annan zieht erste personelle Konsequenzen aus Bericht über Unregelmäßigkeiten

New York - UN-Generalsekretär Kofi Annan hat nach dem Bericht über Unregelmäßigkeiten beim Programm "Öl-für-Lebensmittel" für den Irak erste personelle Konsequenzen gezogen. Wie UN-Sprecher Fred Eckhard am Montag in New York mitteilte, wurden der Chef des Hilfsprogramms, Benon Sevan, und ein Abteilungsleiter, Joseph Stephanides, beurlaubt. Die beiden würden bis Mittwoch schriftlich über die gegen sie erhobenen Vorwürfe informiert und könnten sich dann dazu äußern.

Bereits in der vorigen Woche hatte Annan die Einleitung eines Disziplinarverfahrens angekündigt. Er reagierte damit auf den Untersuchungsbericht des früheren US-Notenbankchefs Paul Volcker, der Sevan vorwarf, auf gravierende Weise die Integrität der Vereinten Nationen untergraben zu haben.

So soll Sevan mehrmals zusätzliche Ölmengen aus Bagdad angefordert und über das Programm zum eigenen Vorteil weiterverkauft haben. Möglicherweise hat er dafür auch Schmiergelder bekommen. Der Bericht stellt dies zwar nicht explizit fest, äußert jedoch erhebliche Zweifel an der Herkunft von 160.000 Dollar (124.572 Euro), die Sevan zwischen 1999 und 2003 von einer Tante in seiner Heimat Zypern erhalten haben will.

Das im Dezember 1996 verabschiedete Hilfsprogramm erlaubte es dem Irak, begrenzte Mengen Öl zu verkaufen. Die Einnahmen durften aber nur für die Versorgung der Bevölkerung sowie für Entschädigungszahlungen nach dem Golfkrieg von 1991 verwendet werden. Infolge der Unregelmäßigkeiten soll der gestürzte Staatschef Saddam Hussein laut Ermittlungen des US-Kongresses jedoch 21 Milliarden Dollar aus dem Programm abgezweigt haben.

Neben dem Chef des Hilfsprogramms wird auch gegen den damaligen Leiter der UN-Sanktionsabteilung, Stephanides, disziplinarisch vorgegangen. Stephanides soll die Öl-für-Lebensmittel"-Verträge manipuliert haben. (APA/AP)

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