Kleiner Wert und großer Fleiß

8. Februar 2005, 19:29
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Österreichs Fußballteam beginnt das Jahr mit einem Turnier auf Zypern. Mit dabei: Hans Krankls Debütanten 32 und 33

Sie heißen Kurt, beide heißen sie mit Vornamen Kurt, der Vater und der erwachsene Sohn. Und wenn die österreichische Fußball-Nationalmannschaft wie jetzt zum Vier-Nationen-Turnier mit Finnland, Lettland und den Gastgebern nach Zypern verreist ist, dann muss die kleine Firma daheim, in Neumarkt an der Ybbs, ohne sie auskommen. "Seit bald 15 Jahren", sagt Vater Kurt.

Nur einmal haben sie sich ihr einziges Urlaubsvergnügen nicht gegönnt. Eine Teamreise nach Israel schien ihnen zu gefährlich. Wenn was passiert, so haben sie sich gefragt, wer macht dann in ihrer kleinen Firma die Lederhosen für Blasmusikkapellen, Jäger und all die anderen, die eben Lederhosen brauchen, in Neumarkt an der Ybbs und Umgebung? Und schließlich, diese Israel-Reise, im Herbst 2001 unter Teamchef Otto Baric, haben auch Spieler verweigert. Was soll man dann also den treuesten Fans des ÖFB-Teams vorwerfen? Überhaupt, wenn sie selbst Ausflüge wie den aktuellen mitmachen.

Über dessen sportlichen Wert ließe sich streiten, aber nicht mit Hans Krankl. "Dieses Turnier ist für mich sehr wichtig, weil ich meine Spieler nach über drei Monaten endlich wieder beisammen habe", sagte der Teamchef vor der Partie am Dienstag gegen die zypriotischen Gastgeber im frühlingshaften Limassol (17.45 Uhr/MEZ, ORF 1). Erwarten wollte sich Krankl weder von diesem noch vom Spiel am Mittwoch gegen den Sieger aus Finnland gegen Lettland etwas. "Die Spieler kommen aus der Vorbereitung, haben wenig Matchpraxis, die Testspiele der Vereine haben für mich keine Aussagekraft. Ich kann mich nur positiv überraschen lassen." Etwa vom Rapidler Sebastian Martinez, der wie sein Klubkollege Daniel Kulovits zum Debüt in der Nationalmannschaft kommt.

Martinez ist von insgesamt 33 Krankl-Debütanten der erste mit Doppelstaatsbürgerschaft. Der gebürtige Wiener mit uruguayischen Wurzeln, Sohn des legendären Austria-Legionärs Alberto Martinez, freute sich unbändig auf seine Chance. "Davon habe ich immer geträumt. Und Papa ist sehr stolz", so der 27-Jährige, der neben Kulovits im zentralen Mittelfeld beginnen wird. Die Außenpositionen besetzen Kirchler und Kapitän Ivanschitz. Mayrleb und Vastic mimen die Spitzen. Zusammen mit Torhüter Payer sollen die Deutschland-Legionäre Ibertsberger und Stranzl sowie Hieblinger und Katzer Gegentreffer verhindern.

Zweiter Anzug In der zweiten Partie - Turnierfinale in Nikosia oder Spiel um Platz drei wieder in Limassol - präsentiert Krankl dann seine restlichen Spieler, zu denen auch die sechs Mann vom GAK gehören, die erst gestern Abend, aus Neapel kommend, eintrafen. "Ich kann ja keinem zwei Spiele in zwei Tagen zumuten, sonst geht die Raunzerei wieder los, dass die Spieler überbelastet werden", sagte Krankl.

Geraunzt wurde über die Länderspielreise kurz vor den UEFA-Cup-Partien des GAK und der Austria ohnehin genug. "Besser wäre gewesen, wir hätten ein zweiwöchiges Trainingslager im Jänner in den USA durchgezogen. Wir wären längst wieder zurück. Aber die Vereine wollten ja nicht." Die mangelnde Unterstützung in der Vorbereitung regt Krankl jedenfalls weit mehr auf als die Nachricht von der möglichen Verwicklung von Bregenz in den bisher nur deutschen Wettskandal. "Ich würde auf die Worte eines bestechlichen Schiedsrichters nicht viel geben." Sigi Lützow aus Limassol - DER STANDARD PRINTAUSGABE 8.2. 2005)

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    Dass Österreichs Teamkicker auf Zypern schaumgeboren werden und im Stadion zu Limassol mit Schöheit im Spiel glänzen, darf nicht unbedingt erwartet werden. Hans Krankl will sich trotzdem "positiv überraschen lassen".

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