Missbrauch schwierig nachzuweisen

9. Februar 2005, 08:51
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Vergewaltigungsopfer, die zuvor mit Drogen willenlos gemacht worden sind, dürfte es auch in Österreich geben

Wien - So genannte k.o.-Tropfen werden auch in Österreich immer wieder für Verbrechen verwendet. Erst vergangene Woche wurde eine 34-Jährige in Wien verhaftet, die mindestens drei Männer beraubt haben soll, nachdem sie sie in Lokalen betäubt hat. Doch nicht nur zum Griff nach der fremden Geldbörse werden Chemikalien verwendet: Auch Vergewaltiger sollen so ihre Oper willenlos machen.

"Wir haben mehrere Fälle, wo dieser Verdacht besteht", berichtet Karin Spacek vom Frauennotruf der Stadt Wien. Besonders die seit 2003 verbotene Substanz GHB (siehe Wissen) gilt als Gefahr, da die Opfer willenlos, aber nicht handlungsunfähig werden. Im Gegensatz zu anderen Ländern wurde in Österreich aber der Einsatz von GHB bei Vergewaltigungen aber noch nie nachgewiesen - was an den Eigenschaften von GHB liegen dürfte. Denn zwölf Stunden nach der Einnahme sind keine Spuren mehr zu finden. "Das Problem ist, dass die Opfer an einem völligen Blackout leiden", schildert Spacek. So kommt ihnen oft erst Tage nach einem Lokalbesuch der Verdacht, vergewaltigt worden zu sein. "Die psychische Aufarbeitung ist umso schwieriger, weil sich die Frauen an nichts mehr erinnern können. Bei vielen Vergewaltigungen verdrängt das Opfer den Vorfall, da kann man die Erinnerung aber zurückholen, was beim Einsatz von Drogen nicht möglich ist."

Keine sicheren Daten

Beim Bundeskriminalamt (BK) ist dagegen nichts über GHB im Zusammenhang mit Sexualdelikten bekannt. "Wir kennen allerdings mindestens vier Fälle in Wien und Graz, wo die Droge bei Raubdelikten eingesetzt worden sein soll", erläutert BK-Ermittler Erich Zwettler. Über die Häufigkeit der Verwendung von Drogen vor Sexualdelikten gibt es auch international keine sicheren Daten. Studien aus Großbritannien gehen von drei bis zehn Prozent aller Fälle aus. Sophie Lachout vom Projekt "Check it" ist eher skeptisch, was GHB als Vergewaltigungsdroge betrifft. "Check it" bietet Jugendlichen die Möglichkeit, vor allem Ecstasy-Tabletten anonym auf ihre Zusammensetzung prüfen zu lassen. "Vereinzelt wird bei Veranstaltungen auch GHB konsumiert. Das Problem ist aber, das die Dosierung schwer einzuschätzen ist. Da die Substanz auch zu komatösen Zuständen führen kann, ist es für mich fraglich, ob ein Täter das Risiko auf sich nimmt, das die Frau im Lokal kollabiert", meint Lachout. (DER STANDARD - Printausgabe, 7.02.2005)

Von Michael Möseneder
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