Riads Terrorexport

24. Februar 2005, 17:09
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Die Anti-Terror-Konferenz in Saudi-Arabien provoziert durch Entschlossenheit - Ein Kommentar von Markus Bernath

Internationale Konferenzen in der Höhle des Löwen haben ihren eigenen Charme: Eine Anti-Mafia-Konferenz in Palermo, ein Gipfel zur Bekämpfung des Drogenhandels in Burma oder nun eine Anti-Terror-Konferenz in Saudi-Arabien, von wo bekanntlich Bin Laden und der Großteil der 9/11-Entführer in die Welt auszogen, wollen durch die Entschlossenheit provozieren, die sie zur Schau stellen und die sich oft genug eben nur in der Wahl des Ortes erschöpft. Wie weit ist der Bewusstseinswandel im saudischen Königreich mehr als drei Jahre nach 9/11 tatsächlich gediehen? Die CIA hat dieser Tage eine neue Theorie präsentiert: Saudi-Arabien nutzt heute den Irak wie seinerzeit den Afghanistankrieg gegen die Sowjets, um seine gewaltbereiten Muslime "abzuladen".

Riad begann erst im Mai 2003 umzudenken, als Al-Kaida- Kommandos Anschläge auf Wohnanlagen in der Hauptstadt verübten und später den Sturz des saudischen Königshauses als neues altes Ziel bekräftigten: 1979 bereits machten Aufständische durch eine Massengeiselnahme in Mekkas großer Moschee von sich reden. Nur das Interesse am politischen Überleben hat die Prinzengarde um Abdallah, dem faktisch Regierenden, in Bewegung gesetzt. Mehr als 2000 radikale Prediger will die Regierung mittlerweile von ihren Posten enthoben und das Treiben der "Wohltätigkeitsvereine" reguliert haben. Doch wie reformfähig ist ein Staat, der sich allein über seine Funktion als "Bewahrer" der islamischen heiligen Stätten legitimiert?

Saudi-Arabien öffnet den Extremisten die Grenze zum Irak und schafft sich damit Luft im eigenen Land, glauben die CIA- Terrorexperten. Riads unendlich langsamer Reformprozess - am Donnerstag sind für Männer die überhaupt ersten Kommunalwahlen im Königreich - lässt viele Türen offen. Noch gilt der alte Handel, auf dem das Haus Saud steht: politische Repression gegen die Freiheit des konservativen Klerus. (DER STANDARD, Printausgabe, 8.2.2005)

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