St. Pöltner animieren, "zu ihrer Stadt zu stehen"

11. Februar 2005, 15:49
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St. Pölten und Niederösterreich haben es nicht einfach miteinander - St. Pöltens Bürgermeister Matthias Stadler (SPÖ) im STANDARD-Interview

STANDARD: Herr Bürgermeister, beim Spazierengehen durch St. Pölten, vor allem nach Büroschluss, fällt der Kontrast zwischen der ziemlich belebten Altstadt und dem eher leeren Landesregierungsviertel auf. Ist St. Pölten neun Jahre nach Landhauseröffnung wirklich Landeshauptstadt geworden? Stadler: Wenn Sie St. Pölten mit Düsseldorf vergleichen - dort hat es 25 Jahre gedauert, bis das Regierungsviertel Teil der Stadt geworden ist. Derzeit arbeiten wir außerdem aktiv an der baulichen Anbindung und setzen Maßnahmen wie ein gemeinsames Ticketing im Landes-, Stadt- und Diözesanmuseum.

STANDARD: Warum fällt das Zusammenwachsen aber gar so schwer? Stadler: Vom heutigen Erfahrungsstand aus wäre es zu Beginn der Planungen wohl besser gewesen, eine durchwachsene Bebauung in Angriff zu nehmen, also Bürohäuser durchmischt mit Wohnhäusern zu errichten. Das wird jetzt mit dem Bau der Rainersiedlung auf einem freien Gelände im Landhausviertel nachgeholt. Auch die Hypobank plant ihr Haus der Wirtschaft dort auf der Papstwiese.

STANDARD: Hat St. Pölten - in Gegensatz etwa zu Linz oder Graz - ein Imageproblem? Wie soll sich die Stadt in der Konkurrenz der Städte in Zukunft besser positionieren? Stadler: Unter meinem Vorgänger Willi Gruber wurde genau analysiert, wo hier die Schwerpunkte liegen. Die setzen wir jetzt um, indem wir das Motto "St. Pölten mitten in Europa" verbreiten. Etwa, indem sich unsere Fachhochschule international weiter einen Namen macht und die Ausbaupläne für den Traisenpark und andere Einkaufszentren St. Pölten als Einkaufsstadt weiter attraktivieren. Außerdem: Graz und Linz sind seit Jahrhunderten Hauptstädte, wir gerade zwanzig Jahre lang.

STANDARD: Was können Sie persönlich zu einem neuen St. Pölten-Image beitragen? Stadler: Ich setze voll auf die Identifikationsschiene und möchte alle St. Pöltner dazu animieren, voll zu ihrer Stadt zu stehen. Auf die Frage "Woher kommst du?" soll die Antwort nicht mehr "Aus Niederösterreich" oder "60 Kilometer außerhalb Wiens", sondern "Aus St. Pölten" lauten. Nicht umsonst hat der Slogan aus meiner Antrittsrede - "Ich liebe St. Pölten" - rasch die Runde gemacht.

STANDARD: Das war Ende Juni 2004, vor einem knappen halben Jahr. Konnten Sie in dieser Zeit Ihre Ziele erreichen? Stadler: Ich merke, dass mein Erkennungsfaktor, wenn ich durch Stadt gehe, hoch ist - und das ist für mich ein Zeichen des Erfolgs. Meine größte Herausforderung nämlich war, dass ich als Nachfolger Willi Grubers Bürgermeister wurde. Gruber hatte mit 46 Jahren in der Kommunalpolitik und 19 Jahren an der Stadtspitze ein unvergleichlich starkes Standing.

STANDARD: Haben Sie selbst über das Bürgermeisteramt hinaus politische Ambitionen? Stadler: Ich bin sehr jung in diese Funktion gekommen und hatte es während meines Studiums auch nicht darauf angelegt, St. Pöltner Bürgermeister zu werden. Ebenso wenig weiß ich, was in zwanzig Jahren sein wird.

STANDARD: Ihr Vorgänger Gruber hatte vor seinem Abgang noch den größten Finanzbrocken für die Stadt - das St. Pöltner Schwerpunktkrankenhaus - in Rechtsträgerschaft des Landes übergeben. Für das Stadtbudget 2005 musste wegen des Spitals trotzdem ein 25-Millionen-Euro-Kredit aufgenommen werden. Warum? Stadler: Die Verluste der Jahre 2002 bis 2004 - und die Zinsen dafür - müssen abgedeckt werden.

STANDARD: Wenn Sie dem Land einen Rat geben könnten, wie wäre das Spitalsdefizit zu senken? Stadler: Auch wenn das Land in seiner neuen Spitalholding alle Synergien nutzt: Es wird schwer werden, weil die Kostensteigerungen nicht aufzuhalten sind.

STANDARD: Wäre eine teilweise Privatisierung ein Weg? Stadler: Privatisierung gut und schön - aber das würde rasch auf Kosten der Behandlungsqualität gehen. Und es sollte keine drittklassigen Herzschrittmacher geben. (DER STANDARD - Printausgabe, 7.02.2005)

Matthias Stadler (38)
ist seit seiner Schulzeit überzeugter Sozialdemokrat. Er gilt als Konsenspolitiker. Vor seiner Wahl zum 31. Bürgermeister des traditionell SP-regierten St. Pölten im Juni 2004 war er seit 1992 im Magistrat der Traisenstadt tätig, u a. in den Bereichen Öffentlichkeitsarbeit, IT, Budget und Jugend. Ab 2002 fungierte er als Geschäftsführer der Fachhochschule St. Pölten. Der passionierte Langstreckenläufer und Liebhaber von Barockmusik wohnt mit seiner Lebensgefährtin zusammen. (bri)
  • St. Pöltens Bürgermeister Matthias Stadler (SPÖ) ist stolz auf "seine" Hauptstadt.
    foto: regine hendrich

    St. Pöltens Bürgermeister Matthias Stadler (SPÖ) ist stolz auf "seine" Hauptstadt.

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