Das Volk weiß, dass er da ist

23. Februar 2005, 13:12
1 Posting

Der eine spielt "die größte Rolle meines Lebens", der andere hat das nicht mehr nötig, denn er ist schon "ein ganz Großer" ...

Der eine spielt "die größte Rolle meines Lebens", der andere hat das nicht mehr nötig, denn er ist schon ein ganz Großer: Aber das "Volk" weiß wohl, dass er da ist. Und zwar deshalb, weil er selbst dieses Basiswissen verbreitet, indem er die Rollen des Lebens verteilt und bei dieser Zuteilung, die regelmäßig in seinem Familienblatt stattfindet, auch sich nicht vergisst.

Sich aus gegebenem Anlass von Lebenden feiern zu lassen, genügt ihm dabei längst nicht mehr, es musste neulich schon aus dem Vermächtnis von Kräuterpfarrer H.-J. Weidinger ein "Happy Birthday!" Hans Dichand - und "ad multos annos" herüberklingen: Der Leib des Guten ruht längst unter seinen Kräutern, nur sein Geist ist noch verdammt, täglich in der "Kronen Zeitung" zu spuken. Und Latein mag ja sein, aber dass im Jenseits auch schon Englisch gesprochen wird - wer hätte es gedacht?

Und das auch noch exakt zum richtigen Tag! So schrieb Hermann-Josef Weidinger: An einem 29. Jänner, dem Geburtstag von Hans Dichand. Der verblichene Gratulant musste sich aber über keinen kleinen Widerspruch hinwegturnen, um diese Vertrauensstellung zu erringen. Der chinesische Philosoph Laotse spricht vom Sinn des Lebens: "Herrscht ein ganz Großer, so weiß das Volk kaum, dass er da ist. Mindere werden geliebt und gelobt, noch Mindere werden gefürchtet, noch Mindere werden verachtet . . ."

Und dann von Laotse zur "Krone": Als alter Mann bin ich froh, mich auf den Gehstock gestützt noch halbwegs fortbewegen zu können. Wie könnte es mir dann in den Sinn kommen, einen Sprung zu machen? Und doch, ich wage ihn: starte bei Laotse und lande mitten in jenem Gebäude, in dem die "Krone" gemacht wird. Welch himmlische Latwerge zu diesem Sprung befähigte, bleibt ein Geheimnis, das der Pfarrer ins Grab mitgenommen hat: Ich stehe vor dem Schreibtisch von Hans Dichand. Ein wahrhaft Großer ...

Und das, obwohl man von Hans Dichand wahrhaft nicht mit Laotse behaupten kann, von ihm wisse das Volk kaum, dass er da ist. Nach dessen Maximen wäre er wohl eher unter die Minderen zu reihen - woran man erkennt, wie leicht Philosophen ohne die Einnahme aufmunternden Gemüses in die Irre gehen können. Aber wir, wir verstehen uns prächtig: Er der Zeitungsmacher und ich der Kräuterpfarrer. Wir sind Freunde geworden. Eine Männerfreundschaft über die Grenze zwischen Leben und Tod hinweg, wie des Kräuterpfarrers unsterbliche Kolumne beweist.

So weit der ganz Große nach Weidinger. Und der, den er zum Weekend die größte Rolle meines Lebens spielen ließ, kann niemand anderer sein als ... na ja, Überraschung ist es keine - auch von ihm weiß sowohl das kalifornische wie auch das österreichische Volk, dass er da ist: Alle reden über Arnold Schwarzenegger - hier erfahren "Krone"-Leser schon wieder exklusiv, wie er sich in seiner Rolle als Gouverneur sieht, ob er je wieder filmen wird und wie realistisch sein Einzug ins Weiße Haus ist.

Zur allgemeinen Erleichterung: Seit der letzten exklusiven Erfahrung der "Krone"-Leser mit Arnie hat sich an dessen Leben und Meinungen nichts geändert, er ist noch immer Cato-kompatibel. Alle würden den Polit-Star der Kalifornier auch wählen, sollte er zum Polit-Star der Amerikaner aufsteigen, "weil er uns mit guter und ehrlicher Politik überzeugt hat. Weil er reich genug ist, um keinen Cent für seine Arbeit kassieren zu müssen und deshalb auch absolut unbestechlich ist. Weil er es sich leisten kann, von keiner Lobby abhängig zu sein. Weil es die Menschen sind, die für ihn zählen und nicht politisches Scheuklappendenken."

Nur wer reich ist, kann ein guter Politiker sein. Schade, dass der ganz Große mit Macht nichts am Hut hat, sondern lieber den Hund streichelt. Er sähe es doch gern, dass das Volk kaum weiß, dass er da ist. Aber die Entourage muss es spüren. In Sacramento: Der Kreis, der hier sein Vertrauen genießt, ist ein ganz enger. Alle Büro-Mitarbeiter sind handverlesen. Die Stimmung im Vorzimmer des Gouverneurs ist locker, fast heiter, es darf auch gescherzt werden, aber etwas hängt spürbar im Raum: die absolute Loyalität zum Chef!

Und was erzählt uns das Vermächtnis des Kräuterpfarrers? So sammelt er Menschen um sich, die dieses Gespür haben: Für das österreichische Herz in uns, für die Sorgen der einfachen Leute, für uns alle - Ernst Trost, Günther Nenning, Marga Swoboda . . . - und Kräuterpfarrer Weidinger. Dead or alive - wenn nur die absolute Loyalität zum Chef spürbar im Raum hängt, stellt sich dieses Gespür für das österreichische Herz ganz von selbst ein.

Auch wenn Arnie keinen Cent für seine Arbeit kassiert, bleiben ihm Reserven. Das Filmgeschäft ist zum Glück aber eine einträgliche Dauerangelegenheit. Da landet jährlich einiges an Tantiemen auf meinem Konto. Warum also das Metier wechseln? Wenn mich das amerikanischen Volk in Washington will und die gesetzlichen Voraussetzungen existieren, dann werde ich zur Verfügung stehen. Alles ist möglich. Das beweist der Kräuterpfarrer. (DER STANDARD; Printausgabe, 8.2.2005)

Von Günter Traxler
Share if you care.