GPA-Chef Katzian: "Keine Salmutter-Kopie"

10. Februar 2005, 12:42
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Sallmutter-Nachfolger will der GPA ein neues Gesicht geben

Sallmutter-Nachfolger Wolfgang Katzian will der GPA ein neues Gesicht geben: weniger Klassenkampf, mehr Gestaltung in Kooperation mit den Arbeitgebern - und auch mehr Lebensfreude. Hinter dem derzeit noch zurückhaltenden Paradefunktionär steht ein harter Machtpolitiker mit besten Kontakten zur SPÖ-Spitze.

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Wien - Wenn Fotografen Wolfgang Katzian ablichten, dann ist er - wie früher Viktor Klima - meist im dunklen Dreiteiler mit roter Krawatte zu sehen und selten ohne sein Handy, aktuell ein Sony Ericsson P910i.

Katzian (48) ist ein Fan moderner Technik, spielt Golf, schätzt gutes Essen - und das sind nur einige Eigenschaften, die ihm vom knorrigen Klassenkämpfer Hans Sallmutter unterscheiden. Mit ihm findet nicht nur ein Generations-sondern auch ein Stilwechsel an der Spitze der größten Teilgewerkschaft Österreichs statt. "Ich arbeite gerne und viel, aber ich gestehe auch ein, dass es ein Leben neben der Arbeit gibt" war einer der Kernsätze in Katzians Wahlrede vor Funktionären.

Anders als Sallmutter verfügt Katzian auch über beste Kontakte zur SPÖ: Als GPA-Jugendfunktionär organisierte er gemeinsam mit Alfred Gusenbauer, damals SJ-Vorsitzender, die Friedensdemonstration im Jahr 1983. Wiens Bürgermeister Michael Häupl lernte er in der Jungen Generation Ottakring kennen.

Trotz seiner jungen Jahre gehört Katzian zum gewerkschaftlichen Urgestein, seine ganze Karriere verlief im System - was ihm zu einem der bestens vernetzten und gut verankerten Sozialpartner der neuen Generation macht. Denn wie Gusenbauer und Häupl assoziiert Katzian mit "Urgestein" nicht nur Parteipolitik, sondern auch eine beliebte Weinsorte. "Wenn, dann gehöre ich zur Wachauer-Fraktion", sagt der bekennende Weißweinliebhaber. Ein bisschen Lebensfreude - das macht sich in einer Gewerkschaft, die nicht nur das klassische Blue-Collar-Segment zu vertreten hat, ganz gut.

Katzian möchte auch etwas weniger "polternd und kantig" als sein Vorgänger auftreten. Stattdessen spricht er viel von "Gestaltung" und "Innovation". Erst letzte Woche habe man gemeinsam mit dem Billa-Rewe-Management die Verkaufsleiter und Inspektoren geschult. Die GPA als Wissens- und Kompetenzorganisation, als Speerspitze einer modernen Gewerkschaftsbewegung - so will Katzian seine Organisation in der Öffentlichkeit positionieren.

Aus dem Grund erteilt er einer Gewerkschafts-Neuorganisation nach Industriegruppen, wie sie ÖGB-Präsident Fritz Verzetnitsch bereits mehrmals angedacht hat, sicherheitshalber gleich eine deutliche Absage. "Das ist ein Konzept aus der Nachkriegszeit - für eine Dienstleistungsgesellschaft auf dem Weg zur Wissensgesellschaft hat das keine Zukunft."

Keine Zukunft hätte in so einem Konzept auch die Privatangestelltengewerkschaft, die auf einzelne Sparten aufgesplittert werden würde - was in Katzian die kämpferische Seite weckt. "Die gewerkschaftliche Landschaft wird sich sehr wandeln - und das kann nur mit und nicht gegen die Angestellten geschehen." Riesling hin oder her, das Urgestein darunter ist hart. (DER STANDARD, Barbara Tóth, Printausgabe, 8.2.2005)

  • Starke und schwache Teilgewerkschaften
    grafik: standard/quelle: ögb

    Starke und schwache Teilgewerkschaften

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    Der designierte GPA-Chef Wolfgang Katzian will sich gegen die von Fritz Verzetnitsch angedachte Aufsplitterung der Angestelltengewerkschaft nach Industriesparten wehren.

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