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25. Februar 2005, 19:19
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Spanien legalisiert in regelmäßigen Abständen "papierlose" Zuwanderer - Was billige Schwarzarbeiter ins land lockt - Ein Kommentar von Reiner Wandler

Alle paar Jahre wieder versucht Spanien, die "papierlosen", also ohne behördliche Bewilligung im Land befindlichen Zuwanderer zu legalisieren. Der Prozess, der soeben begann, ist der sechste seit 1991. Bisher erhielten auf diesem Weg rund 650.000 Immigranten die ersehnte Arbeits- und Aufenthaltsgenehmigung. Bis zu 800.000 könnten jetzt hinzukommen. Es verwundert nicht, dass in der EU Spanien vorgeworfen wird, Zuwanderern Tür und Tor zu öffnen.

Spanien bildet eine EU-Außengrenze, die bisher leicht zu überwinden war. Nur 14 Kilometer trennen hier Afrika von Europa. Zwar machen neueste Überwachungstechniken diese Grenze immer dichter, doch hermetisch geschlossen ist sie noch nicht. Das Gleiche gilt für den Luftweg. Für Lateinamerikaner ist es ein Leichtes, als Touristen einzureisen und dann einfach zu bleiben. Spanien hat mittlerweile drei Millionen Einwanderer - rund 40 Prozent davon ohne Papiere.

Arbeit finden sie. Das wird sich wohl auch bei der gegenwärtigen Legalisierungsaktion zeigen, bei der all jene Papiere erhalten, die einen Arbeitsvertrag nachweisen können. Die Illegalen ernten in Spanien Gemüse und Obst für ganz Europa. Aber nicht nur Unternehmer profitieren von ihnen. Nirgends in Europa gibt es mehr Haushaltshilfen als in Spanien. Korrekt angemeldet, wären sie kaum zu bezahlen. Und der Bauboom, dem Spanien ein Wirtschaftswachstum verdankt, das weit über dem EU- Schnitt liegt, kommt auch zu einem nicht unerheblichen Teil durch Schwarzarbeiter zustande.

Das, verbunden mit der Permissivität von Polizei und Justiz, zieht immer neue Immigranten an. Natürlich ermuntern auch die regelmäßigen Legalisierungsschübe so manchen, in Richtung Spanien aufzubrechen. Die offene Tür hat System. (DER STANDARD, Printausgabe, 8.2.2005)

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