Gerede auch um Partie GAK - Admira

12. Februar 2005, 14:32
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Hohe Wettsummen bei 5:2-Erfolg der Grazer - Beteiligte weisen jeden Manipulationsverdacht zurück - Ex-Schiedsrichter Benkö: "Skandal wird sich ganz schlimm ausbreiten"

Wien - "Dort hatte es ihnen, so Hoyzer, vor allem der Verein Casino SW Bregenz angetan." So und nicht anders steht’s im Spiegel, und deshalb geht’s rund im österreichischen Fußball. Die Bregenzer, die nebenbei gestern Trainer Regi van Acker entließen und Assistent Roland Kornexl zum Chef beförderten, haben dementiert. Präsident Hans Grill: "Ich weiß von nichts, habe nichts davon gehört, kenne Hoyzer nur aus dem Fernsehen. Abgesehen davon ist Bregenz keinem Spieler Geld schuldig." Bundesliga- Vorstand Georg Pangl: "Die Bundesliga weist jegliche Anschuldigungen, in denen eines ihrer Mitglieder ohne Beweise in Misskredit gebracht wird, auf das Schärfste zurück." Bundesliga-Pressesprecher Christian Kircher vergleicht Hoyzer mit "einem Ertrinkenden, der wild um sich schlägt".

Betrachtet man jüngere Bregenzer Resultate, so fällt neben vielen Bundesliga-Niederlagen, darunter ein 0:9 gegen die Austria, die Cup- Blamage beim Regionalligisten SKN St. Pölten auf, am 29. September gab’s ein 1:2. Die Niederösterreicher bestehen darauf, dass es sich, wie Obmann Christian Walter sagt, "um eine rein sportliche Geschichte" handelte. "Das ist uns passiert, Bregenz hat uns unterschätzt."

Im grünen Bereich

Jürgen Irsigler, Vorstand der Admiral Sportwetten AG, die mit mehr als 120 Wettcafés in Österreich der Marktführer im Filialwettgeschäft ist, erklärte gestern, es habe "bei uns im Zusammenhang mit Bregenz keine Anfragen bezüglich höherer Einsätze gegeben. Alles war im normalen Bereich."

Auch zu anderen Partien kursieren Gerüchte. Etwa zum Meisterschaftsspiel GAK gegen Admira am 8. Dezember 2004, die Grazer siegten 5:2. Auffällig hohe Summen wurden auf genau dieses Resultat gesetzt, behaupten Leute aus der Wettszene, ohne freilich Beweise zu liefern. Genannt werden wollen sie auch nicht. Schiedsrichter Fritz Stuchlik leitete dieses Spiel: "Mir ist nichts Verdächtiges aufgefallen, ein ganz normales Match."

Stuchlik ist seit 1991 als Referee tätig. "Es hat nie einen Bestechungsversuch gegeben. Das passiert eventuell in irgendeiner Hirschenliga, aber nicht in der österreichischen Bundesliga. Wäre so etwas passiert, hätte ich es sofort angezeigt." Natürlich könne man prinzipiell nicht ausschließen, "dass sich Spieler untereinander absprechen. Wenn sie es gescheit machen, bist du machtlos."

Hans Werner Weiss, der geschäftsführende Präsident der Admira, schloss dem Standard gegenüber jegliche Manipulation aus. "Für unsere Spieler lege ich die Hand ins Feuer. Da müsste ja der ganze Verein drinstecken, denn nur mit Nebendarstellern geht das nicht. Das ist völlig absurd. Außerdem kann man nicht planen, dass wir in den letzten drei Minuten noch zwei Tore schießen." GAK-Kicker Didi Ramusch hat das 5:2 von der Ersatzbank aus verfolgt: "Das war völlig normal." Noch einmal Weiss: "Sollten sich die Verdachtsmomente gegen Bregenz erhärten, wäre das für unseren Fußball ein absoluter Wahnsinn."

Doktor Helmut Grubmüller, Rechtsanwalt in Wien und Geschäftsführer des österreichischen Buchmacherverbandes, sieht durch den "Fall Hoyzer" die Glaubwürdigkeit des gesamten Sports infrage gestellt. "Da geht es nicht um die Wettszene. Die Buchmacher sind die Opfer, keine Täter. Sie verlieren ihre Kunden, wenn manipuliert wird. Nicht zuletzt aus eigenem Interesse wäre die lückenlose Aufklärung wichtig."

Auch Irsigler nahm gestern zum 5:2 des GAK gegen die Admira Stellung. "Die relativ vielen Einsätze auf den GAK waren wegen der klaren Ausgangslage normal." Der Admiral-Vorstand spricht indes eine auffällige Partie auf internationaler Ebene an, das UEFA-Cup-Gruppenmatch Panionios Athen gegen Dynamo Tiflis. Panionios siegte am 1. Dezember 5:2, beide Klubs hatten so gut wie keine Chance mehr auf den Aufstieg, das Ergebnis war wie wild getippt worden, die UEFA leitete eine Untersuchung ein.

Generell prüfen Anbieter wie Admiral bei hohen Einsätzen diverse Argumente, die gegen eine Annahme sprechen könnten. Die norwegische Firma betradar warnt auf internationaler Ebene vor solchen und anderen Auffälligkeiten. Werden zum Beispiel in mehreren Wettbüros gleichzeitig hohe Beträge auf ein ungewöhnliches Ergebnis gesetzt, schlägt das Radar quasi aus. Siebzig bis achtzig Anbieter in Europa, unter ihnen alle wichtigen in Österreich, sind mit betradar im Bunde. Irsigler: "Aber in Österreich sind exorbitant hohe Einsätze prinzipiell selten."

Ein Angebot

Günter Benkö, jahrelang Österreichs herausragender Schiedsrichter, wurde auf nationaler Ebene "von unmoralischen Angeboten verschont". Vor einem wichtigen Champions-League-Match, die Paarung will der Burgenländer nicht nennen, sei dreimal telefonisch versucht worden, ihn mit 100.000 Schweizer Franken zu bestechen. "Ich habe den Anrufer gefragt, ob er mich verarschen will, und sofort die UEFA informiert." Der Schaden, den der Deutsche Hoyzer der Schiedsrichterbranche und dem Fußball zugefügt habe, sei nicht abzusehen. "Dieser Skandal", sagt Benkö, "wird sich noch ganz schlimm ausbreiten." (Christian Hackl Fritz Neumann - DER STANDARD PRINTAUSGABE 8.2. 2005)

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