Tschernobyl-Verwalter wollen Teile der Atomanlage verkaufen

9. Februar 2005, 08:47
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Erlös soll in Erhaltung von "Betonsarg" fließen

Kiew - Knapp 19 Jahre nach der Katastrophe von Tschernobyl sollen Teile der stillgelegten Atomanlage verkauft werden, um mit dem Geld etwas gegen die bröckelnde Schutzhülle aus Beton zu unternehmen. Veräußert werden sollen Metallteile aus Bereichen, die am weitesten von dem Unglücks-Reaktor entfernt sind, wie die russische Nachrichtenagentur ITAR-TASS am Montag unter Berufung auf die Verwaltungsfirma Tschernobylskaja meldete. Die Teile, die ab März zum Verkauf kämen, seien "sauber". Für das Material, das aus dem radioaktiv verseuchten Gebiet ausgeführt werden solle, gebe es eine entsprechende Erlaubnis, in der die Stärke der radioaktiven Strahlung vermerkt sei.

Einsturzgefahr

Die Einnahmen aus dem Verkauf sollen dazu dienen, den "Betonsarg" um den ausgebrannten Reaktor zu verstärken, der einzustürzen drohe, erklärte Tschernobylskaja-Direktor Alexander Smitschliajow der Agentur zufolge. Die internationale Gemeinschaft hat mehr als 720 Millionen Euro gesammelt, um den verstrahlten Reaktor bis 2008 mit einer 20.000 Tonnen schweren Stahlhülle abzudecken. Die Stahlhülle soll über den "Betonsarg" gestülpt werden, der nach der Katastrophe auf die Schnelle gebaut worden war.

Am 26. April 1986 hatten zwei Explosionen den vierten Reaktor des Atomkraftwerks Tschernobyl zerstört und die schwerste Katastrophe in der zivilen Nutzung der Atomkraft ausgelöst. Mehr als zehn Tage lang brannte der Reaktorkern, wobei radioaktive Energie mit einer Intensität von etwa 200 Hiroshima-Bomben freigesetzt wurde.

Verseucht

Weite Teile der Ukraine, Weißrusslands und Russlands wurden radioaktiv verseucht. Radioaktives Material ging in der Folgezeit über weiten Teilen Europas nieder. Offiziellen Angaben zufolge starben 31 Menschen durch die Reaktorkatastrophe. Nach inoffiziellen Schätzungen starben dagegen allein in der Ukraine 15.000 bis 30.000 Menschen an den Folgen des Unglücks.(APA/AFP)

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