Deutsches Filmstudio strebt an die Börse

14. Februar 2005, 21:17
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Filmstudio Babelsberg sieht sich nicht als Konkurrenz zu Hollywood: "Das alte Babelsberg hat in der neuen Welt keine Chance mehr"

Frankfurt - Die traditionsreichen deutschen Filmstudios in Potsdam-Babelsberg sollen noch im ersten Halbjahr 2005 an die Börse gebracht werden. "Wir sind gerade in intensiven Gesprächen über einen Börsengang und werden das noch im ersten Halbjahr 2005 machen", sagte Carl Woebcken, Geschäftsführer und Miteigentümer der Studio Babelsberg GmbH, dem Anlegermagazin "Euro am Sonntag". Später sei auch eine Kapitalerhöhung geplant.

"Wir wollen uns für die Zukunft rüsten. Wir streben eine Kapitalerhöhung an, die uns dafür die Mittel in die Hand geben soll", so Woebcken zur Begründung des geplanten Schritts in dem Interview.

Woebcken, vormals Finanzvorstand des Münchener Kinder- und Zeichentrick-Produzenten TV Loonland, hatte das Gelände am Stadtrand von Berlin im Juli 2004 zusammen mit seinem Partner Christoph Fisser für den symbolischen Preis von einem Euro vom französischen Medienkonzern Vivendi gekauft. Vivendi gehörte Babelsberg seit 1992.

Keine Konkurrenz zu Hollywood

Babelsberg verstehe sich nicht als Konkurrenz zu Hollywood, sondern als europäischer Dienstleister für die großen Studios in den USA, betonte Woebcken. "Das alte Babelsberg hat in der neuen Welt keine Chance mehr." Ein wichtiges Geschäftsfeld solle die Nachbearbeitung von Filmen (Postproduction) sein. Zuletzt wurde dort unter anderem der Hollywood-Film "Die Bourne Verschwörung" gedreht, das Studio produziert aber auch für Fernsehen und Werbeindustrie.

Bekannt wurde Babelsberg vor dem Zweiten Weltkrieg als erstes Tonfilmstudio in Deutschland, wo Kino-Klassiker wie "Der blaue Engel" oder "Metropolis" entstanden. Nach 1945 nutzte die DDR-Filmindustrie (Defa) das Gelände.

Woebcken sagte, Studio Babelsberg rechne 2005 angesichts der "sehr, sehr guten" Auftragslage operativ mit einem Gewinn, unter dem Strich werde aber wegen der Bilanzbereinigung von Altlasten ein Verlust von zwei Mio. Euro zu Buche stehen. Früheren Angaben zufolge soll der Umsatz 2005 bei 45 (2004: 40) Mio. Euro liegen. 2006 werde "wahrscheinlich" ein Gewinn ausgewiesen, sagte Woebcken dem Magazin. (APA/Reuters)

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