Details zum neuen Hochleistungschip "Cell" vorgestellt

15. März 2005, 11:12
30 Postings

Der neue Cell-Prozessor ist zehnmal so schnell wie derzeitige Chips und soll digitaler Unterhaltung Beine machen - Debüt: 2006 in Sonys PlayStation 3

Eine neue Chiparchitektur soll Computern schnellere Beine machen. Eigentlich sind es acht Prozessoren auf einmal, die unter dem Kommando eines neunten dem „Cell“ genannten Chip zum Kraftlackel machen. Im Gleichklang sorgen die 128-Bit-Prozessoren für Rechenleistung, die einen Platz unter den 500 schnellsten Supercomputern des Planeten garantiert. Verwendung soll der von IBM, Sony und Toshiba entwickelte Cell-Chip zunächst im Unterhaltungsbereich finden: als Spezialist für digitale Medien und Breitbandanbindungen, von der Spielekonsole bis zum Heimkino mit Video on Demand.

Multiple „Persönlichkeit“

Die Neuentwicklung wurde Montag bei einer Industriekonferenz in San Francisco vorgestellt. Seine multiple „Persönlichkeit“ dank mehrerer Rechner prädestiniert den Cell deswegen für Multimedia-Anwendungen, weil mehrere Programme – selbst mehrere Betriebssysteme – gleichzeitig ablaufen können ohne einander zu stören. Dies ist insbesondere für digitales Entertainment optimal: Denn es verhindert, dass es Aussetzer bei Ton oder Video gibt, weil gerade ein anderes Programm besonders viel Rechenleistung in Anspruch nimmt. Der störungsfreie Ablauf vielfältiger Medienströme ist jedoch eine Voraussetzung dafür, dass digitale Technik der bewährten analogen Unterhaltungselektronik wirklich Konkurrenz machen kann.

Debüt: 2006 in Sonys PlayStation 3

Sein Debüt wird der Cell 2006 in Sonys neuer PlayStation 3 haben – ein interessantes Match, denn schon davor wird die zweite Version der Xbox von Microsoft auf den Markt kommen, die mit zwei IBM PowerPC (der „Kommandant“ an Bord des Cell-Schiffs) ausgestattet ist. Später als die Xbox 2 auf den Markt zu kommen bedeutet für Sony, dass die PlayStation 3 besonders attraktiv sein muss, um den späteren Start beim Publikum wett zu machen.

In den Genen

Zwar liegen medienspezifische Funktionen, wie sie für grafische Darstellungen nötig sind, quasi in den Genen des Cell, aber die Architektur ist nach Angaben von IBM-Entwicklern flexibel genug, dass jeder Teil auch andere, nicht medienspezifische Arbeiten erledigen kann. Gleichzeitig sei der Chip in Hinblick auf Breitbandverbindungen designt, was für alle Arten von Onlineanwendungen – wie Video on Demand, Musik und Internet – wichtig ist.

Konvergenz

Damit legt der Cell ein wichtiges Fundament für die in den vergangenen Jahren viel beschworene Konvergenz von Computer und Unterhaltungselektronik: Einerseits Supercomputer, andererseits Spaßfaktor – die Kombination soll der Computerindustrie den Weg in die Wohnzimmer ebnen. Spekulationen gibt es darum auch über einen Einstieg von Apple in die neue Technologie. Apple verwendet derzeit IBMs PowerPC als Basis seiner Rechner, teilweise in einer Dualarchitektur, bei der zwei Chips im Duett arbeiten. Allerdings soll Apple noch auf einen Beweis für eine nachhaltige Leistungssteigerung im Alltag warten, ehe sich das Unternehmen kommitieren will, berichtete die New York Times.

Niedriger Preis

Was den Cell Chip besonders attraktiv macht ist sein niedrig erwarteter Preis. Erst damit wird er für Anwendungen im Bereich der Unterhaltungselektronik wirklich einsetzbar, da diese Produkte in der Regel erheblich billiger als Computer sind. (Helmut Spudich, DER STANDARD Printausgabe, 9. Februar 2005)

  • Artikelbild
Share if you care.