STANDARD-Interview: Messen, was man aus Wissen machen kann

14. Februar 2005, 12:42
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Um nach den geplanten sieben Jahren Förderung überleben zu können, beschäftigt sich das Zentrum EC 3 mit der Nutzung von Innovationen - Die öffentliche Hand könne sich freilich nicht ganz zurückziehen, sagt Geschäftsführer Günther Simonitsch im Gespräch mit Peter Illetschko

Standard: Die Finanzierung des E-Commerce Competence Center (EC 3) seitens der öffentlichen Hand wurde kürzlich nach einer positiven 4-Jahres-Evaluierung für drei weitere Jahre bewilligt. Macht insgesamt sieben Jahre, mehr als sieben Jahre sind aber eigentlich im Kompetenzzentrumprogramm nicht vorgesehen. Was kommt danach?
Simonitsch: Diese einmal vorgesehenen sieben Jahre darf man nicht apodiktisch sehen. Einerseits ist die Förderphase von vier plus drei Jahren sehr vernünftig, vier Jahre dienen zum Aufbau und zur Entwicklung von Kompetenzfeldern, die weiteren drei Jahre mit reduzierten Förderungen dienen zur Stabilisierung und zur Fokussierung, um den gestiegenen Nutzenerwartungen der Wirtschaft und Politik Rechnung zu tragen. Ich bin davon überzeugt, dass es auch danach eine weitere Förderung durch die öffentliche Hand geben muss - da gibt es auch international einige Beispiele dafür, dass eine ausschließliche Finanzierung über den Markt nicht funktionieren kann. Es gibt ja auch ein Interesse, in irgendeiner Form weiterzumachen. Entweder mit einer Basisförderung oder einer umfangreicheren Projektförderung. Es währe ein Wahnsinn, das einfach abzudrehen.

Standard: Kann es nach den sieben Jahren aus Ihrer Sicht auch zu Zusammenlegungen von Kompetenzzentren kommen?
Simonitsch: Konvergenzformen zu überlegen, ist sicher in Ordnung. Eine engere Zusammenarbeit, eine stärkere Kooperation, das könnte eine bessere Durchschlagskraft ergeben. Was sicher keinen Sinn ergibt: wenn man sich bürokratisch überlegt, welche Zentren ins gleiche Feld passen, die legen wir zusammen. Fusionierungen kann ich nichts abgewinnen. In diesem Konvergenzprozess wollen wir natürlich nicht nur Objekt, sondern Subjekt sein: Aus diesem Grund haben wir ja in der Vergangenheit begonnen, Überlegungen in Richtung Innovationsmanagement anzustellen. Ähnliche Gedanken machen sich alle Zentren, da sind wir sicher nicht alleine.

Standard: Wie schauen denn Ihre Überlegungen konkret aus?
Simonitsch: Wichtig sind natürlich die Wirtschaftspartner, genauso wichtig aber müssen uns akademische Partner sein. Wir sind in Gesprächen über eine engere Kooperation mit Nikolaus Franke vom Lehrstuhl für Entrepreneurship und Innovation an der WU Wien. Der Gedanke ist: Wir wollen nicht nur bei der Ideenfindung bleiben, wir wollen in einen geschlossenen Innovationskreislauf. Wir haben ja jetzt eine 100-Prozent-Tochter, eine Verwertungs GmbH, wir haben sehr viele Erkenntnisse bei uns liegen, die werden zu einem großen Teil von den Firmenpartnern genutzt. Aber wir müssen auch damit umgehen können. Da geht es um den Nachweis von Nutzen - und der funktioniert eben nicht nur über Publikationslisten.

Standard: Wie hoch ist die Erwartung von außen, der Druck vielleicht, wirklichen Nutzen zu beweisen?
Simonitsch: Natürlich wirken von außen nicht nur die von Ihnen angesprochenen Konvergenzüberlegungen auf uns ein, auch gibt es eine gesteigerte Nutzungserwartung. Aber es ist auch klar, dass man die Leistung eines Wissensunternehmens, wo es schon um das zwischen den Ohren geht, nicht nur über herkömmliche kaufmännische Maßzahlen messen kann. Auch zum Thema Wissensbilanzierung machen wir viel. In Summe - also Innovationsbewertung, Wissensbilanzierung und Innovationskreislauf - sollte sich ein Best-Practice-Modell eines Kompetenzzentrums ergeben.

Standard: Für die weitere Förderung der industriellen Kompetenzzentren durch die öffentliche Hand gibt es freilich noch keine Zusagen, oder?
Simonitsch: Zusagen nicht. Der Rat für Forschung und Technologieentwicklung hat, soviel ich weiß, die Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) gebeten, als gemeinsame Förderabwicklungseinrichtung sich darüber Gedanken zu machen. Ich glaube schon, dass es dazu kommen wird. Nur ist noch nicht klar, in welcher Form.

Standard: Was erwarten Sie denn eigentlich insgesamt von der FFG?
Simonitsch: Die Österreichische Forschungslandschaft generell auf Bundesebene ist zu sehr zerklüftet. Sechs Ministerien sind hierzulande für Forschung zuständig. Sie haben das Wissenschaftsministerium, das Wirtschaftsministerium, das Infrastrukturministerium, dann gibt es Forschungsanteile im Landwirtschaftsministerium und im Gesundheitsministerium - und einen, den man in Österreich nie vergessen darf, das ist der Finanzminister. Realpolitisch betrachtet ist das so. Das ist eine ungesunde Struktur auf Dauer. Der Schritt, der jetzt gemacht wurde, die Förderabwicklung auf Bundesebene in der FFG zusammenzuführen, ist für mich ein positives Symbol, mehr kann man noch nicht wirklich sagen. (DER STANDARD, Printausgabe, 7. 2.2005)

  • EC-3-Chef Günther Simonitsch plant für die Zeit nach den geplanten sieben Förderjahren.
    foto: standard/hendrich

    EC-3-Chef Günther Simonitsch plant für die Zeit nach den geplanten sieben Förderjahren.

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