SPÖ: Gemeinsame Schule, Ende des "Poly"

25. Oktober 2006, 14:05
4 Postings

Die SPÖ will bei den Schulreformen vor allem "kein Kind zurücklassen"

"Wir lassen kein Kind zurück" - das soll für die SPÖ der Grundsatz sein, nach dem sich bei einer Schulreform alles andere ableiten sollte. Daher plädiert SP-Bildungssprecher Erwin Niederwieser im Gespräch mit der APA für ein "gerechtes System, das Kinder losgelöst von deren sozialer Herkunft individuell fördert". Die soziale Herkunft dürfe durch die Schule in ihrer Wirkung nicht verstärkt, sondern müsse abgeschwächt werden. Konkret spricht sich Niederwieser dabei für eine "gemeinsame Schule der Sechs- bis 15-Jährigen aus, die Kinder bestmöglich fördert und wichtige Bildungsentscheidungen möglichst spät treffen lässt".

Schule sollte ein "Haus des Lernens" sein, wo sich alle zwischen 7.00 und 18.00 Uhr aufhalten können und sich in der Kernzeit (Unterricht und Freizeit verschränkt) zwischen 9.00 und 14.00 Uhr die Kleinen und zwischen 9.00 und 16.00 Uhr die Älteren aufhalten sollen, so Niederwieser. Logische Konsequenz der von der SPÖ geforderten gemeinsamen Schule bis 15 Jahre wäre die Auflösung der Polytechnischen Schulen.

Noch vor dem Schulstart hält Niederwieser ein verpflichtendes Vorschuljahr für wichtig. Diesem sollte bereits ab dem 4. Lebensjahr eine intensive Arbeit an der Sprach- und Kommunikationskompetenz der Kinder vorangehen, "weil es in diesem Alter noch am leichtesten geht". Niederwieser kann sich sogar vorstellen, dass die Früherkennung von Defiziten in diesen Kompetenzen in den Mutter-Kind-Pass eingebaut wird.

Für eine Verlängerung der Schulpflicht auf zwölf Jahre sieht Niederwieser keine Veranlassung. Nach dem 15. Lebensjahr sollten Schüler weiterhin zwischen AHS-Oberstufe, berufsbildenden Schulen sowie Berufsschulen mit einem starken Praxisteil wählen können. Die Lehrerausbildung würde Niederwieser "im Idealfall (Zeithorizont 25 Jahre)" zu einer Ausbildung für alle Pädagogen an pädagogischen Fakultäten der Universitäten machen. Kurzfristig realistischer wäre dagegen die Ausbildung an den geplanten Pädagogischen Hochschulen für alle Lehrer bis in den Bereich der Mittelstufe sowie für Kindergärtner, Freizeitpädagogen, etc. Lehrer für die Oberstufe sollten weiter an den Unis studieren.

Vom Bildungs-Reformdialog am 14. Februar erwartet sich Niederwieser "gar nichts", das sei eine "Veranstaltung der Propagandaabteilung des Bundeskanzlerbüros". Die wirkliche Arbeit komme erst, und die liege im Detail. Die Zukunftskommission habe diese Detailarbeit schon geleistet, lege seines Wissens nach aber erst Ende März ihren Endbericht vor. Deshalb verstehe er auch nicht den Zeitpunkt des Reformdialogs. "Das erinnert mich an die Mercedes C-Klasse, die auch ein bisserl zu früh draußen war, und den Elchtest hat der Bildungsgipfel noch nicht bestanden", so Niederwieser.

Kostenneutral sind nach Ansicht Niederwiesers Verbesserungen im Schulsystem nicht durchzuführen. "Wenn man nicht zu einer tiefgehenden Systemreform bereit sei, muss man Geld in die Hand nehmen", kritisiert Niederwieser vor allem das teure Parallelsystem von Hauptschule und AHS-Unterstufe. (APA)

Share if you care.