ÖVP: Gegen Gesamtschule, für Zwei-Drittel-Mehrheit

25. Oktober 2006, 14:05
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Die Volkspartei will die "Über Dekaden gewachsene Struktur" des Schulsystems nicht verändern

Im Gegensatz zu den anderen Parteien will die ÖVP die "über Dekaden gewachsene Struktur" des Schulwesens nicht verändern, sondern dieses innerhalb des Systems weiterentwickeln. Es sei ein "Trugschluss", auf Grund der PISA-Studie nach Radikalreformen zu rufen, betonte ÖVP-Bildungssprecher Werner Amon gegenüber der APA. Mit der neunjährigen Schulpflicht liege man "ganz gut", wobei es aber natürlich "Spielraum nach oben" gebe. Die Polytechnische Schule möchte er nicht abschaffen, aber das neunte Pflichtschuljahr "besser nutzen". Fragen wie die Schulpflicht, den Religionsunterricht und die Schulgeldfreiheit möchte Amon weiter mit Zwei-Drittel-Mehrheit im Parlament regeln - für eine Änderung der Schulorganisation solle hingegen eine einfache Mehrheit reichen.

Derzeit habe man eine neunjährige Schulpflicht, die allerdings nicht mit einer Erreichung von Bildungszielen verbunden sei, meinte Amon. So habe etwa ein Schüler, der in den ersten acht Schulstufen einmal sitzen geblieben ist, nach der vierten Klasse Hauptschule die Schulpflicht erfüllt und könne abgehen. Gleiches gelte für Jugendliche, die nach der vierten Klasse Hauptschule zur Vermeidung des "Poly" ein Jahr in eine berufsbildende mittlere oder höhere Schule ausweichen.

Nachgedacht werden müsse daher über eine bessere Integration der Polytechnischen Schulen in die Hauptschulen - etwa als fünfjährige Realschule - oder über die Einführung einer mittleren Reife als zusätzlichen Abschluss. Auch eine Verlängerung der Volksschule komme in Frage.

Ein Abgehen von der Differenzierung in AHS-Unterstufe und Hauptschule hält Amon für falsch. In Europa gebe es zwei Zugänge zur Organisation der Mittelstufe - jenen der inneren und jenen der äußeren Differenzierung. Österreich habe auf Grund der inneren Differenzierung in der Hauptschule praktisch ein Mischsystem, dessen Hauptproblem in der Validität der Abschlüsse liege: "Ein Abschluss an einer öffentlichen Hauptschule in der Stadt ist mit einem Hauptschulabschluss am Land nicht zu vergleichen." Es bringe nichts, gewachsene Strukturen zu zerstören: "Wenn 70 Prozent der Hauptschulen hervorragend funktionieren, warum das dann ruinieren?"

Gleichzeitig spricht sich Amon dafür aus, die Schulorganisation nicht mehr wie bisher mit Zwei-Drittel-Mehrheit festzuschreiben, sondern mit einfacher Mehrheit zu regeln. Dann seien nämlich die Wähler am Wort und könnten entscheiden, ob man die Hauptschulen zusperren, die AHS-Unterstufe abschaffen und stattdessen eine Gesamtschule einführen solle oder wie die ÖVP das differenzierte System beibehalten wollen. Ob man dann vier Jahre in die eine und nach einem Regierungswechsel vier Jahre in die andere Richtung gehen wolle, würde dann eine wichtige Frage bei Urnengängen.

Bei der Lehrer-Ausbildung tritt Amon dafür ein, "bei der Auswahl mutiger zu sein". Auf Grund der zu erwartenden sinkenden Schülerzahlen könne man ohnehin künftig weniger Pädagogen aufnehmen - dann sollten das aber auch die Besten sein. Die Auswahl könne durch Testserien oder Eignungssemester am Beginn des Studiums erfolgen, nicht wie bisher einzig durch langes Warten nach dem Absolvieren der Ausbildung. An den künftigen Pädagogischen Hochschulen müsse außerdem der "universitäre Anspruch sichergestellt werden". Mit dem Niveau werde man daher nach oben gehen müssen.

Die Frage der ganztägigen Betreuung will der ÖVP-Bildungssprecher nach einer "Realerhebung" des Bedarfs regeln. "Wo Nachfrage ist, muss ein Angebot geschaffen werden", meinte Amon - die Finanzierung solle über den Finanzausgleich diskutiert und zwischen den Gebietskörperschaften aufgeteilt werden. Im Zentrum dabei steht für ihn die Freiwilligkeit - am Nachmittag solle es keinen Regelunterricht über das bisherige Maß hinaus geben. Angeboten werden soll aber qualitativ hochwertige Nachmittagsbetreuung auf freiwilliger Basis mit Förderunterricht, Lernbetreuung, Schularbeitenvorbereitung. (APA)

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