FPÖ: Lehrerausbildung und "Modell Kärnten"

25. Oktober 2006, 14:05
6 Postings

Die Freiheitlichen wollen eine "große Reform", die alle Bereiche des Schulwesens umfasst

Die Freiheitlichen sind in der laufenden Bildungsdebatte für eine "große Reform". Grundvoraussetzung dafür wäre aber nach Ansicht von FP-Bildungssprecherin Mares Rossmann, dass man sich auf eine Abschaffung bzw. Reduzierung der Zwei-Drittel-Gesetzesmaterien im Schulbereich einige. "ÖVP und SPÖ müssen sich das einmal ausstreiten, sonst wird das Ganze zu einer virtuellen Debatte", so Rossmann im Gespräch mit der APA. Die FPÖ selbst kann sich eine generelle Abschaffung der Erfordernis der Zwei-Drittel-Mehrheit vorstellen.

Die von den Freiheitlichen gewünschte "allumfassende Reform" müsste mit einer gemeinsamen Ausbildung der Lehrer beginnen. Für Rossmann ist dabei sowohl eine gemeinsame Ausbildung aller Lehrer an Pädagogischen Hochschulen mit anschließender Spezialisierung an der Uni als auch eine Ausbildung für alle an den Universitäten möglich. Verbunden damit müsste jedenfalls eine Besoldungsreform sein, die höhere Einstiegsgehälter und vor allem eine leistungsabhängige Komponente statt automatische Biennalsprünge beinhaltet, meint Rossmann. Sie verweist allerdings auf die damit verbundenen Probleme, werde doch die "Schulpolitik von der Gewerkschaft gemacht".

Noch vor Beginn der Schullaufbahn plädiert die FPÖ für eine Frühförderung ab dem fünften Lebensjahr. Dazu sollte die Schuleinschreibung vorverlegt werden und bei Mängeln, etwa in sprachlicher Hinsicht, verpflichtend eine Vorschule besucht werden. Auch begabten Kindern könnte so ein spezielles Förderprogramm angeboten werden.

Bei der "Schule der Sechs- bis 15-Jährigen" will Rossmann das "Modell Kärnten" übernehmen. Dieses sei ein ganz neues Schulmodell, eine "einheitliche Schule mit innerer Differenzierung", habe aber "nichts mit der Gesamtschule zu tun", sagte die FP-Politikerin. Der Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider (F) hatte angekündigt, spätestens im Schuljahr 2006/2007 einen Schulversuch für eine gemeinsame Schulform für Sechs- bis 15-Jährige zu starten.

Verbunden damit wäre eine Abschaffung der Polytechnischen Schule, weil sich diese als "Aufbewahrungsjahr" herauskristallisiert habe. Stattdessen soll die neue Schulform bis zum Ende der 9. Schulstufe weitergeführt werden. Eine Ausweitung der Schulpflicht auf zwölf Jahre kommt für Rossmann nicht in Frage. Im Bereich der AHS-Oberstufe bzw. berufsbildenden höheren Schulen kann sich Rossmann eine Zentralmatura und ein Modul- bzw. Kurssystem vorstellen.

Rossmann ist überzeugt, dass sich diese Reformen kostenneutral finanzieren lassen und erinnert in diesem Zusammenhang an ihre Forderung nach einem neuen Arbeitszeitmodell der Lehrer. So sollten die bei Landeslehrern derzeit für Fortbildung und Konferenzen reservierten Stunden zum Teil für die Nachmittagsbetreuung verwendet werden. Einsparungspotenzial ortet sie auch bei der "aufgeblähten Personal-Struktur" in der Schulverwaltung.

Vom Reformdialog der Regierung am 14. Februar erwartet sich Rossmann "nicht allzu viel". Wünschenswert wäre die Einigung auf eine große Reform, wahrscheinlich würden sich aber nur einige Punkte herauskristallisieren, wo Handlungsbedarf bestehe. (APA)

Share if you care.