27 Tote bei Doppelattentat

9. Februar 2005, 20:19
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"Letzte Warnung" von Entführern italienischer Journalistin - Widersprüchliche Angaben zu blutigen Gefechten bei Bagdad

Dubai/Bagdad - Wieder haben Aufständische im Irak mit Selbstmord-Anschlägen mindestens 27 Menschen in den Tod gerissen. In der nordirakischen Stadt Mossul sprengte sich am Montag ein Attentäter vor einem Krankenhaus in einer Gruppe Polizisten in die Luft. Dabei wurden nach Klinikangaben zwölf Beamte getötet und vier weitere verletzt. In Baquba (Bakuba) explodierte nahezu gleichzeitig vor dem Hauptquartier der Provinzpolizei eine Autobombe. 15 Menschen wurden getötet, 17 weitere verletzt, wie ein Polizeisprecher sagte. Viele der Opfer hätten sich um Stellen bei der Polizei bewerben wollen.

Bekennerschreiben

Zu den Anschlägen bekannte sich via Internet die Gruppe um den jordanischen Terroristen Abu Musab al Zarqawi. In Mossul wurde am Montag darüber hinaus eine Polizeiwache mit Granaten angegriffen. Dabei wurden drei Zivilpersonen getötet, wie ein Polizeisprecher sagte.

Ultimatum

Unterdessen stellten die mutmaßlichen Entführer der italienischen Journalistin Giuliana Sgrena ein nach eigener Darstellung letztes Ultimatum. Im Internet wurde am Sonntagabend eine neue Erklärung verbreitet, in der die italienische Regierung erneut aufgerufen wurde, ihre Truppen bis Montagabend aus dem Irak abzuziehen. Die Forderung kam von der Organisation "Organisation des Dschihad im Zweitstromland", die sich schon zuvor zur Entführung von Sgrena bekannt hatte. Was anderenfalls mit der 56-jährigen Reporterin der Tageszeitung "Il Manifesto" passieren würde, wurde nicht mitgeteilt. Die Echtheit der Erklärung konnte zunächst nicht bestätigt werden. Italien hat rund 3.000 Soldaten im Irak stationiert.

Der arabische TV-Kanal Al Jazeera hat zudem am Montag für die "sofortige Freilassung" der italienischen Journalistin Giuliana Sgrena und ihrer französischen Kollegin Florence Aubenas gefordert. Ihre Entführung sei eine Verletzung des Informationsrechts, hieß es im Bericht. Der TV-Kanal erklärte sich bereit, alles Mögliche für die Freilassung der beiden Journalistinnen zu unternehmen.

Blutbad bei Bagdad?

Berichte über ein Blutbad südlich von Bagdad wurden in der Nacht auf Montag von amerikanischer Seite dementiert. Ein Polizeisprecher aus Muhawil sagte der Nachrichtenagentur AP, Aufständische hätten am späten Sonntagabend die örtliche Polizeistation überfallen und sich ein einstündiges Feuergefecht mit den Sicherheitskräften geliefert. Dabei seien insgesamt 36 Menschen getötet worden - 17 Polizisten, fünf Nationalgardisten und 14 Angreifer. Die US-Streitkräfte erklärten dagegen unter Berufung auf örtliche Behörden, der Angriff habe nicht stattgefunden. Wie es zu den widersprüchlichen Angaben kam, war zunächst unklar.

Entführung

Am Sonntag wurden im Bagdader Vorort Mansur außerdem vier Ägypter entführt, die für ein ägyptisches Telekommunikationsunternehmen arbeiteten. Das Außenministerium in Stockholm geht unterdessen Berichten über die Entführung eines Schweden irakischer Herkunft nach. Eine Außenamtssprecherin bestätigte am Montag, dass ein älterer Schwede, der seit einigen Jahren im Irak lebte, vermisst werde. Zeitungsberichten zufolge handelt es sich um Minas Ibrahim al-Yousifi, dem Vorsitzenden der Christlich-Demokratischen Partei im Irak. Sie nahm an der Parlamentswahl Ende Jänner nicht teil.

Unterdessen haben die polnischen Truppen im Irak einen neuen Kommandanten bekommen. Der polnische General Waldemar Skrzypczak übernahm am Montag das Kommando von General Andrzej Ekiert. An der Zeremonie im polnischen Hauptquartier nahm auch der polnische Verteidigungsminister Jerzy Szmajdzinski teil. Szmajdzinski hatte kürzlich angekündigt, Polen werde im Februar 800 seiner derzeit 2500 Soldaten aus dem Irak abziehen. Über die Präsenz der verbleibenden polnischen Truppen solle voraussichtlich Ende Februar oder Anfang März entschieden werden. (APA/AP/dpa/Reuters)

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