Muti: "Kulturpolitik ist ein Verbrechen"

13. Februar 2005, 18:22
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Stardirigent kritisiert: "Die geplanten Einsparungen werden die italienischen Theater lahm legen" - Ermuntert Jugendliche zum Protest

Rom - Der italienische Stardirigent Riccardo Muti protestiert heftig gegen geplante Einsparungen der Regierung Berlusconi im Kulturbereich. "Die geplanten Einsparungen werden die italienischen Theater lahm legen. Diese Kulturpolitik ist ein Verbrechen", sagte Muti nach Angaben italienischer Medien.

Im Rahmen eines Sparbudgets mit Defizit eindämmenden Maßnahmen in der Höhe von 7,5 Mrd. Euro, die die Regierung Berlusconi für das Jahr 2005 beschlossen hat, sollen die Finanzierungen für die Oper um 20 Prozent gekürzt werden. Darunter werden mehrere Theater leiden, warnten die Gewerkschaften. Gegen die Maßnahme wehrte sich auch der italienische Kulturminister Giuliano Urbani. "Mit dieser Ausgabenkürzung wird der italienische Staat wenig sparen, die Effekte für die italienische Kultur sind jedoch sehr negativ", mahnte der Minister.

Muti ermuntert Jugendliche zum Protest

"Die Einschnitte im Kulturbereich werden Italien in einen Abgrund stürzen. Italien wird eine zweitrangige Rolle im Vergleich zu Ländern mit gleichem kulturellen Prestige spielen", betonte Muti. Er rief die Jugendlichen auf, der Regierung in Rom zu schreiben und gegen die Kürzungen zu protestieren. "Musik ist Nahrung für die Seele, ohne Kultur hat ein Land keine Zukunft", meinte Muti.

"Musik ist ein Eckpfeiler für die Geschichte Italiens"

"Seit 1968 führe ich meinen Kampf für die Musik. Ich habe die selben Ideale wie damals. Musik ist ein Eckpfeiler für die Geschichte, die Kultur und die Identität Italiens", meinte Muti.

Auch die Museen stöhnen angesichts der Belastungen

Nicht nur die Opernhäuser, sondern auch die Museen stöhnen in Italien wegen den Einschnitten im Kulturbereich. Mangelnde Dienstleistungen und fehlendes Personal, überfüllte Säle und beschränkte Öffnungszeiten sind die größten Problemen, mit denen sich die italienischen Museen und archäologischen Stätten wegen der strengen Ausgabenkürzungen konfrontieren sehen.

Mit den Kürzungen will Italien versuchen, 2005 das wachsende Defizit unter die Drei-Prozent-Schwelle des Bruttoinlandsprodukts (BIP) zu drücken und somit den EU-Stabilitätspakt zu erfüllen. (APA)

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