Jetzt erwischt es Österreich

8. Februar 2005, 20:11
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Die heimische Bundesliga soll laut Skandal-Schiri Hoyzer in den Wett-Skandal verstrickt sein - Drahtzieher angeblich von Bregenz "angetan"

Hamburg/Bregenz - Der Skandal um manipulierte Fußball-Spiele in Deutschland könnte nun auch auf Österreich übergreifen. In der jüngsten Ausgabe des deutschen Nachrichtenmagazins "Spiegel" wird angedeutet, dass T-Mobile Bundesligist SW Bregenz in die Affäre rund um Referee Robert Hoyzer verwickelt sein könnte. "Besonders aber interessierten sich die Gebrüder S. (Anm.: die Drahtzieher des Wettbetrugs) für die Fußball-Ligen in Griechenland und Österreich. Dort hatte es ihnen, so Hoyzer, vor allem der Verein Casino SW Bregenz angetan", heißt es in dem Bericht.

Grill geschockt

Bregenz-Präsident Hans Grill zeigte sich geschockt. "Ich weiß überhaupt nicht, was da laufen soll, ich weiß auch nicht, ob oder wer unserer Kicker auf Spiele setzt". Michael Grunwald, Pressesprecher der mit den Ermittlungen zur "Causa Hoyzer" betrauten Berliner Staatsanwaltschaft, meinte zu den Anschuldigungen gegen Bregenz: "Darüber ist mir nichts bekannt. Mein derzeitiger Stand ist, dass sich der Verdacht bezüglich manipulierter Spiele nur auf Deutschland bezieht."

Sowohl Bregenz als auch die Bundesliga wollen Kontakt mit dem DFB und der Berliner Staatsanwaltschaft aufnehmen, um zu eruieren, wie der Verdacht gegen das Bundesliga-Schlusslicht entstanden sein könnte.

Laut Hoyzer kannte Filip S. einen Goalie der Vorarlberger, dessen Namen er jedoch nicht kenne. Almir Tolja, seit längerem Einser-Tormann bei den Bregenzern, betonte, dass er in keine Spielabsprachen involviert und nie mit Filip S. in Kontakt gewesen sei. "Ich kenne niemanden mit diesem Namen", erklärte der bosnische Team-Torhüter.

Der Bregenzer Neo-Trainer Roland Kornexl steht jedenfalls hinter Tolja, er könne sich nicht vorstellen, dass dieser in Schiebungen involviert sein könnte: "Ich gehe von der Unschuldsvermutung aus", sagte er am Abend in der ORF-Sendung "Vorarlberg heute".

Auf die Niederlage gegen den FC Kärnten im März 2004 (2:3) angesprochen, bei der Tolja zwei haltbare Treffer kassierte, meinte Kornexl: "Es können immer Fehler passieren. Und es kann auch sein, dass ein Spieler in einem Spiel zwei Fehler macht". Er werde jedenfalls das offene Gespräch mit Tolja suchen.

Schaden für Wettbüros manifest

Während es im Fall Bregenz momentan offenbar nur Spekulationen gibt, haben einige österreichische Wettbüros nach Angaben des Nachrichtenmagazins "profil" schon ganz konkreten Schaden genommen. Demnach verlor die in Salzburg ansässige Intertops Sportwetten GmbH beim möglicherweise geschobenen deutschen Zweitliga-Spiel Erzgebirge Aue - Rot-Weiß Oberhausen (2:0/der Österreicher Gerd Wimmer spielte bei Oberhausen durch) am 12. Dezember des Vorjahres einen fünfstelligen Euro-Betrag, die Interwetten AG soll nach dem angeblich manipulierten DFB-Cup-Match Paderborn - Hamburger SV (4:2) um 30.000 Euro ärmer geworden sein. Sogar um eine sechsstellige Summe wurde laut "profil" die pagobet GmbH aus Seekirchen erleichtert.

"Bis jetzt liegt bei uns weder ein Ermittlungsauftrag der Staatsanwaltschaft vor noch eine Anzeige", sagte Mag. Erich Zwettler vom Bundeskriminalamt Montagvormittag. Im Justizministerium gab es zunächst kein Rechtshilfeersuchen aus Deutschland. (APA)

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    In Bregenz wird man sich demnächst ein paar Fragen gefallen lassen müssen.

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