Defekte Dieselpumpen: Produktion bei Mercedes und BMW steht

9. Februar 2005, 14:13
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Montag und Dienstag werden in Sindelfingen mindestens 4.000 Pkw nicht gebaut - 20.000 Mercedes-Mitarbeiter betroffen

Stuttgart - Die Produktionsbänder von Mercedes-Benz in Sindelfingen werden am Montag und Dienstag stillstehen, auch wenn der Autozulieferer Bosch inzwischen wieder einwandfreie Dieselpumpen liefert. Das erklärte ein Sprecher der DaimlerChrysler AG am Sonntag in Stuttgart. Im Mercedes-Benz-Werk für Transporter im spanischen Vitoria werde die Produktion erst langsam wieder anlaufen.

In Sindelfingen sind 20.000 Mitarbeiter in der Produktion betroffen. Dort werden an beiden Tagen mindestens 4.000 Mercedes-Pkw nicht gebaut. BMW in München hatte vergangene Woche angekündigt, dass die ursprünglich zweitägigen "Faschingsferien" am Montag und Dienstag wegen der fehlerhaften Pumpen um weitere Tage verlängert werden.

Lieferrückstände

Bosch hatte am Freitagabend mitgeteilt, dass die Probleme mit fehlerhaften Dieselpumpen "gelöst" seien. Die Produktion der Dieseleinspritzpumpen wurde am Freitagabend in vollem Umfang wieder aufgenommen. Um die Lieferrückstände aufzuholen, produziert nun Bosch mit allen verfügbaren Fertigungskapazitäten rund um die Uhr an sieben Tagen in der Woche. Trotz dieser vollen Auslastung der Fertigung von Dieselpumpen bei Bosch werde es in dieser Woche auch nach dem Mittwoch noch zu "Unregelmäßigkeiten" bei der Produktion kommen, sagte ein Mercedes-Sprecher. Es werde einige Tage brauchen bis die Produktionsbänder für Diesel-Pkw wieder "rund" laufen würden.

BMW hatte vergangene Woche mitgeteilt, dass weltweit über 21.000 Autos von der Dieseleinspritzpumpe betroffen seien, davon rund 6.000 in Deutschland. Diese Wagen würden zurückgerufen. Von DaimlerChrysler war keine genaue Zahl zu erfahren, wie viele Autos bisher von der fehlerhaften Pumpe betroffen sind.

Hoher Schaden

DaimlerChrysler, BMW, aber auch Bosch, haben sich bisher zu Fragen des Schadenersatzes für den Ausfall der Produktion nicht öffentlich geäußert. DaimlerChrysler hatte aber am Freitag offiziell mitgeteilt, dass sich "die Verzögerung der Auslieferung von Fahrzeugen mit Dieselmotoren auf Grund fehlerhafter Diesel-Hochdruckpumpen negativ auf die Mercedes-Benz-Absatzzahlen im Jänner ausgewirkt hat". In Medienberichten wurde bereits über einen Schaden von weit über hundert Millionen Euro für DaimlerChrysler und BMW spekuliert.

Ein Sprecher der DaimlerChrysler AG sagte am Sonntag zum Thema Schadenersatz: "Wenn die Produktion wieder läuft, dann legen wir alles auf den Tisch." Für den Konzern ist der Schaden bisher "noch nicht ganz beziffert". Er fügte allerdings auch hinzu: "Wir haben ein gutes Verhältnis zu Bosch."

Verschleißerscheinungen

Bei der Fehlersuche sind Verschleißerscheinungen der Teflonbeschichtung an den Pumpen festgestellt worden. Diese Beschichtung an Lagerbuchsen wurden Bosch selbst zugeliefert. Aus der Fahrpraxis seien keine daraus resultierenden Mängel an der Einspritzpumpe bekannt geworden, hieß es aus dem Hause Bosch. Das Unternehmen machte keine Angaben darüber, in welcher Art es selbst gegen solche Produktionsschäden versichert sei.

Autoexperten wiesen am Wochenende darauf hin, dass auch das Herunterfahren der Fertigungstiefe in den Automobilfabriken ein Grund für die Qualitätsprobleme der Autobranche sei. Die Hersteller verlagerten immer mehr an Zulieferer. Der Anteil der Wertschöpfung der Automobilfirma in ihrem Werk liege inzwischen teilweise unter 30 Prozent. Die Autohersteller drückten die Zulieferer immer stärker bei den Kosten. (APA/dpa)

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