Täter weiter auf der Flucht

8. Februar 2005, 15:39
24 Postings

Spanisches Konsulat in Bern gestürmt - Täter vor Eintreffen der Polizei geflüchtet - Offenbar krimineller Hintergrund - Wachmann verletzt

Bern - Nach dem Überfall mit Geiselnahme im spanischen Konsulat von Bern sind die drei bewaffneten Täter am Dienstag weiter auf der Flucht. Es werde weiter nach ihnen gefahndet, sagte eine Polizeisprecherin. Nach Angaben der Polizei waren drei Männer um 7.55 Uhr mit Messern und Schusswaffen in das Konsulat eingedrungen. Ein Wachmann wurde verletzt. Er konnte sich aber aus eigener Kraft befreien, sagte Polizeisprecher Jürg Mosimann. Zwei andere Konsulatsmitarbeiter hätten von der Polizei befreit werden können.

Täter vor Polizeiaktion entkommen

Noch bevor ein Großaufgebot von Spezialeinheiten das Gebäude abriegeln konnte, seien die Täter kurz nach 8.00 Uhr wieder verschwunden, sagte Einsatzleiter Peter Theilkäs von der Stadtpolizei Bern. Zu diesem Zeitpunkt sei die Polizei gerade erst alarmiert worden. Nach Angaben des spanischen Außenministeriums waren die Täter aber drei Stunden lang im Gebäude, wie die spanische Tageszeitung "El Mundo" (Internetausgabe) berichtet.

Gehandelt, wie es "üblich ist"

Die Polizei wartete allerdings noch sieben Stunden, bevor sie das Konsulat durch zwölf Spezialbeamte stürmen ließ. Erst zu Mittag sei klar geworden, dass keine Konsulatsangestellten mehr im Gebäude gewesen seien, sagte Theilkäs. Der spanische Außenminister Miguel Angel Moratinos sagte, die Schweizer Polizei hätte so gehandelt, wie es bei Geiselnahmen üblich sei. Die Schweizer Polizei wies auch auf die Unverletzlichkeit diplomatischer Gebäude hin, die völkerrechtlich zum Gaststaat gehören.

Raub geplant

Laut Moratinos waren die vermummten Täter in das Gebäude eingedrungen, um einen Raub zu begehen. Vermutlich hätten sie es auf die Blanko-Reisepässe aus dem Tresor des Konsulats abgesehen gehabt, die am Schwarzmarkt für 4.500 bis 6.000 Euro pro Stück verkauft werden können. Ein terroristischer Hintergrund ist demnach unwahrscheinlich. Theilkäs sagte, das Motiv sei völlig unklar. Die Schweizer Polizei räumte laut "El Mundo" ein, dass es in den vergangenen Wochen mehrere Versuche gegeben habe, Reisepässe zu stehlen. Die Täter sollen französisch gesprochen haben, ihre Nationalität sei aber unbekannt.

Die Sicherheitskräfte hatten die Umgebung des Konsulats weiträumig abgesperrt, Scharfschützen gingen in Stellung, Panzer fuhren vor. Auch Spezialeinheiten der Polizei bezogen vor der Botschaft Position. Nachdem die Täter ein Ultimatum der Polizei verstreichen ließen, ohne sich zu stellen, drang eine Spezialeinheit der Berner Stadtpolizei schließlich in das Konsulat ein.

Zunächst wurde eine Verbindung zum Fall Achraf für möglich gehalten. Der mutmaßliche Terrorist Mohamed Achraf wird mit den Terroranschlägen von Madrid in Verbindung gebracht und sitzt in der Schweiz in Auslieferungshaft. Theilkäs sagte zum Motiv, es sei offen, ob es sich um einen Einbruch gehandelt habe oder eine "klassische Geiselnahme, die aber nicht stattfand". (APA/dpa/sda)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Die Schweizer Polizei fährt schweres Gerät auf.

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Straßensperren im Berner Botschaftsviertel.

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Ein Berner Verkehrspolizist zeigt Spezialeinheiten der Schweizer Polizei in einem gepanzerten Fahrzeug den Weg zum spanischen Konsulat.

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Ein vermummter Polizist bereitet sich auf den Sturm auf das spanische Konsulat in der Berner Marienstraße vor.

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Die Anti-Terror-Einheit "Stern" der Berner Stadtpolizei umstellt das Konsulat.

Share if you care.