Amputationen in Abu Ghraib durch unqualifizierte Soldaten

19. Februar 2005, 13:06
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Neue Enthüllungen über verheerende Zustände in Haftanstalt

Washington - Nach dem Skandal um folternde US-Soldaten im Abu-Ghraib-Gefängnis bei Bagdad sind neue Berichte über die verheerenden Zustände in der Haftanstalt bekannt geworden. Wie das US-Wochenmagazin "Time" in seiner Montagausgabe berichtet, wurden die Häftlinge in dem völlig überfüllten Gefängnis im Jahr 2003 von unqualifizierten Soldaten medizinisch behandelt. Das habe unter anderem dazu geführt, dass die Soldaten ohne das nötige Fachwissen Amputationen vornahmen. Weil das nötigste medizinische Material fehlte, seien etwa bereits benutzte Atemschläuche mehrfach verwendet worden. Laut "Time" wurde in einem Fall ein Mediziner angewiesen, einen Mord in dem Gefängnis zu vertuschen.

Das Abu-Ghraib-Gefängnis war im Jahr 2003 mit bis zu 7000 Häftlingen belegt, aber es gab keinen ständig dort beschäftigten Arzt, wie "Time" unter Berufung auf den Hauptmann der US-Nationalgarde, Kelly Parrson, schreibt. Parrson berichtete, wie er und andere unqualifizierte Soldaten den Häftlingen Gliedmaßen amputierten. "Ich habe einen Knöchel und einen Unterschenkel entfernt", sagte Parrson dem Magazin. "Da war sonst niemand. Wenn es hieß: Tod oder Amputation, dann hast du das eben gemacht." Wenn einer der Häftlinge starb, hätten sie ihm den Atemschlauch entfernt und einfach einem anderen Patienten angelegt, sagte Parrson. Es habe an medizinischem Material wie Kathetern, Atemschläuchen und Gipsverbänden gefehlt.

Die US-Armee richtete nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr im Abu-Ghraib-Gefängnis eine Krankenstation mit 52 Betten und einem 200-köpfigen medizinischen Personal ein. Derzeit sitzen in der Haftanstalt rund 3000 Gefangene der US-Armee; hinzukommen die Insassen, die von der irakischen Regierung inhaftiert wurden. Die Bilder von der Misshandlung irakischer Gefangener durch US-Soldaten im Abu-Ghraib-Gefängnis hatten im vergangenen Jahr die Weltöffentlichkeit schockiert. Sie waren 2003 entstanden. (APA)

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