Wien: Kritik an "Aktion scharf" gegen Bettler

14. Februar 2005, 15:44
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Musikanten konnten Strafe nicht bezahlen und mussten ihre Instrumente abgeben

Wien - Darf die Polizei ausländischen Straßenmusikanten, die sich eine Geldbuße nicht leisten können, als Ersatz die Instrumente wegnehmen? Nicht nur diese Frage beschäftigt die Wiener Psychotherapeutin Silvia Franke seit vergangener Woche, als sie den geschilderten Vorgang im ORF-Report gesehen hat. Auch ihr Versuch, unbürokratisch Hilfe zu leisten, stieß an bürokratische Grenzen.

ORF-Journalistin Christine Grabner hatte die Polizei bei einer "Aktion scharf" gegen illegale Bettelei begleitet. Drei Straßenmusikanten, Roma aus der Slowakei, waren in einem Bus angereist, gemeinsam mit Bettlern, die später auf Knien Stellung bezogen. Derartige Gruppenfahrten kann die Polizei als gewerbsmäßige Bettelei bewerten. Macht 70 Euro Strafe pro Kopf. Doch die drei Musiker hatten leere Taschen, also wanderten Geigen und Ziehharmonika in Polizeigewahrsam.

Lebensgrundlage

Für Silvia Franke ein klassischer Fall von Entziehung der Lebensgrundlage: "Auch bei Exekutionen dürfen Dinge zur Berufsausübung nicht gepfändet werden." In einer spontanen Sammelaktion in Frankes Bekanntenkreis kamen zwar schnell die ausständigen 210 Euro zustande, doch bei der Polizei hieß es, niemand dürfe die Strafe eines anderen begleichen. Inzwischen hat die slowakische Botschaft zugesagt, das Trio ausfindig zu machen und ihm das Geld zukommen zu lassen.

"Das Wohlbefinden in dieser Stadt ist untrennbar mit den Lebensbedingungen der Schwächsten verknüpft", erklärt Silvia Franke ihr Engagement. Die frühere Leiterin des Instituts für Suchtprävention hat auch vorbeugende Vorschläge: in einem offenen Brief an Bürgermeister Michael Häupl fordert sie unter anderem Roma-Streetworker. (Michael Simoner; DER STANDARD, Print-Ausgabe, 07.02.2005)

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    Die Ziehharmonika wanderte in Polizeigewahrsam

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