Orange ist dunkel

14. Februar 2005, 10:36
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"Sie haben es auch nicht geschafft", sagte A. - Tatsächlich das orange Schild leuchtete nicht...

Es war heute Abend. A. sah aus dem Fenster: „Sie haben es auch nicht geschafft - es ist schon wieder dunkel,“ sagte sie dann. Und klang beinahe enttäuscht.

Ich verstand nicht. Auch nicht, als ich neben ihr am Fenster stand. „Dort“, sagte A. und zeigte in die Abendschwärze der Gasse, „es ist schon wieder vorbei.“ Und diesmal sei es rekordverdächtig. Tatsächlich: Das orange Schild leuchtete nicht.

Drei Tage, sagte A., beobachte sie dieses Nichtleuchten jetzt schon– und gestern sei sie am „Orange Café“ vorbeigegangen und habe – zum ersten Mal (siehe Stadtgeschichte vom 31.1. 2005) - sogar an der Tür gerüttelt. Aber da war nichts: Das Beisl, das sonst alle zwei, drei Monate neue Betreiber und einen neuen Namen hat, war zu. Geschlossen. Mausetot.

A. war – und ist – fasziniert. „Diesmal haben sie nicht einmal zwei Wochen durchgehalten bevor sie die Hütte in den Konkurs geschickt haben – das muss erst einmal einer schaffen.“

Ab morgen, hat A. angekündigt, wird sie jeden Tag an dem mondsichelförmigen Türgriff (nebenbei: ein Relikt des vorvorvorvorvorletzten Betreibers, der die Kneipe zwei Monate als „La Luna“ oder „ Luna“ führte) rütteln. Es sei, sagt sie, nämlich ab sofort ihr persönlicher Ehrgeiz, in die Geschichte einzugehen: „Wenn das in dem Tempo weiter geht, gibt es hier bald ein Lokal, das nur eine Stunde zwischen Neueröffnung und Konkurs hat – und da will ich dann gewesen sein. Als einziger Gast überhaupt.“

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"Wiener Stadtgeschichten" mit Illustrationen von Andrea Satrapa-Binder, Echomedia Verlag Ges.m.b.H., ISBN 3-901761-29-2, 14,90 Euro.
    echo-verlag

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