Iranischer Chefunterhändler droht mit Vergeltung

10. Februar 2005, 12:31
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Rohani: Auch US-Angriff kann Atomprogramm nicht stoppen - "Keine konkreten Ergebnisse bei Verhandlungen mit EU" - Mehr Klarheit von Europäern gefordert

Teheran - Der Iran hat seine Warnung vor einem Angriff der USA oder Israels auf seine Atomanlagen bekräftigt und mit Vergeltung und einer Beschleunigung seines Atomprogramms gedroht. Zugleich besteht das Land weiter darauf, Uran anreichern zu dürfen. "Wenn ein solcher Angriff stattfindet, dann werden wir natürlich zurückschlagen und wir werden unsere Aktivitäten zur Vervollständigung unseres nuklearen Brennstoffkreislaufs beschleunigen", sagte der iranische Chefunterhändler im Atomstreit, Hassan Rohani, am Sonntag in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters.

Die Fähigkeit des Iran, selbst Teile für sein Atomprogramm herzustellen, habe das Land unverwundbar gegen Angriffe gemacht, weil es einfach wiederherstellen könne, was zerstört worden wäre. "Aber ich glaube nicht, dass die USA selbst ein solches Risiko eingehen würden... Sie kennen unsere Fähigkeiten zur Vergeltung gegen solche Angriffe."´

Fortentwicklung

Nichts könne den Iran von der Fortentwicklung seines Atomprogramms abhalten, sagte Rohani. Selbst eine Aufhebung der US-Sanktionen gegen das Land oder Sicherheitsgarantien der USA reichten nicht aus, den Iran zur Aufgabe des Programms zu veranlassen. Er berief sich dabei auf den Atomwaffensperrvertrag. "Die Urananreicherung ist ein Recht des Iran auf Basis des Artikels Vier des Verbots zur Weiterverbreitung von Atomwaffen ... Ich glaube nicht, dass irgendjemand im Iran dieses Recht gegen irgendetwas anderes eintauschen werde", sagte Rohani.

Zugleich beklagte Rohani, dass bei den Verhandlungen mit der Europäischen Union bisher keine konkreten Ergebnisse erzielt worden seien. Die Gespräche unter Führung von Deutschland, Frankreich und Großbritannien sollen am Montag in Genf fortgesetzt werden. "Unsere Erwartungen waren höher. Wir glauben, die Europäer sollten dabei ernsthafter vorgehen", sagte er. Bevor der Iran eine Entscheidung über die Wiederaufnahme der seit November eingefrorenen Urananreicherung treffe, werde sein Land die Fortschritte bei diesen Gesprächen überprüfen.

Vorwürfen von Diplomaten am Sitz der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA in Wien, wonach der Iran den Sinn der Vereinbarung zur Aussetzung der Urananreicherung verletze, widersprach Rohani: "Wir stehen voll hinter allem, was wir mit den Europäern vereinbart haben". Im November hatte der Iran zugesagt, alle Aktivitäten im Zusammenhang mit der Urananreicherung für die Dauer der Verhandlungen mit den Deutschland, Frankreich und Großbritannien auszusetzen. Die drei EU-Länder wollen die Regierung in Teheran zur Aufgabe der Urananreicherung bewegen.

Mehr Klarheit von Europäern gefordert

Im Atom-Streit mit dem Iran hat das Land vor den nächsten Verhandlungen mit Deutschland, Frankreich und Großbritannien mehr Klarheit von den Europäern gefordert. Die für Dienstag geplanten Gespräche mit Vertretern der drei Länder seien "die wichtigsten" im Verhandlungszyklus, sagte der Leiter der Iranischen Atomenergieorganisation, Gholamresa Aghasadeh, am Montag im Staatsfernsehen.

Die Verhandlungen liefen nun bald seit drei Monaten, "und die Europäer müssen uns diese Woche deutlicher sagen, was ihre Absichten sind". Bei den Gesprächen im schweizerischen Genf werde es neben dem umstrittenen Atomprogramm auch um Wirtschaft und Politik gehen. Der Iran rechne mit "ernsthaften und bedeutsamen" Unterredungen, sagte Aghasadeh.

Deutschland, Frankreich und Großbritannien hatten im Dezember Verhandlungen mit dem Iran aufgenommen, um mit der iranischen Regierung ein Abkommen über ihr Atomprogramm zu schließen. Dabei war vereinbart worden, dass die beiden Parteien die Gespräche nach drei Monaten bewerten würden.

Der Iran hatte den Europäern im vergangenen Jahr zugesagt, als vertrauensbildende Maßnahme zunächst kein Uran mehr anzureichern; die Europäische Union will aber eine dauerhafte Aussetzung erreichen. Vor allem die Vereinigten Staaten werfen dem Iran vor, dass er mit seinem Kernkraftprogramm militärische Ziele verfolgt.(APA/Reuters)

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