Kardinal: Entscheidung über Rücktritt liegt allein beim Papst

9. Februar 2005, 12:18
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Erstmals wird ein Amtsverzicht des erkrankten Oberhirten nicht mehr ausgeschlossen

Vatikan-Stadt - Allein Papst Johannes Paul II. kann nach Angaben aus dem Vatikan über einen Rücktritt entscheiden.

"Überlassen wir das dem Gewissen des Papstes", sagte Kardinal Angelo Sodano am Montag. Er äußerte sich damit erstmals zu Spekulationen, der gesundheitlich angeschlagene 84-jährige Papst könnte zurücktreten.

Das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche war vor knapp einer Woche mit Atembeschwerden in ein Krankenhaus in Rom eingeliefert worden. Aus Vatikan-Kreisen verlautete, dass der Papst weiterhin auf dem Weg der Besserung sei. Der Papst habe kein Fieber, die Ärzte rieten ihm jedoch, noch einige Tage im Krankenhaus zu verbringen, sagte Vatikan-Sprecher Joaquin Navarro-Valls. Die Ärzte des römischen Krankenhauses wollen am kommenden Donnerstag entscheiden, wann der Heilige Vater das Spital verlassen kann.

Auch vor seiner schweren Erkältung wirkte der an Parkinson leidende Papst oft schwach und gebrechlich.

Trotzdem bestand der Vatikan bislang immer darauf, dass er sein Amt weiter ausfüllen könne und unterband öffentliche Diskussionen über das mögliche Ende einer Ära.

Als Papst Johannes Paul II. im Jahr 1996 die Regelungen für die Amtsnachfolge reformierte, dachte er - zumindest theoretisch - nicht nur an eine Vakanz durch den Tod.

Keine konkreten Anordnungen

Ausdrücklich bezog er sich in seinem Dokument "Universi Dominici Gregis" ("Hirte der gesamten Herde") darauf, dass der Stuhl Petri "aus irgendeinem Grund vakant werden sollte". Konkrete Anordnungen, was für den Fall eines freiwilligen Rückzugs aus dem Amt geschehen soll, traf er aber nicht.

Unter Kirchenexperten herrscht Einigkeit, dass im Falle eines Rücktritts sich der Papst sofort und vollständig aus allen Ämtern und aus dem öffentlichen Leben der Kirche zurückziehen müsste. Nur so könne gewährt werden, dass der Zurückgetretene nicht die Wahl seines Nachfolgers beeinflusst. "Ein Rücktritt ist eigentlich nur denkbar, wenn der Papst sich etwa in ein Kloster zurückzieht", meint ein Insider.

Ansonsten, so meinen Fachleute übereinstimmend, würden bei einem Rücktritt dieselben Regelungen gelten, wie sie das Kirchenrecht für den Papsttod vorsieht: Hohe Kirchenvertreter (Kardinalsstaatssekretär und die Kardinalspräfekten) müssen zurücktreten, ein Kardinalskollegium übernimmt die laufenden Amtsgeschäfte, die Wahl des Nachfolgers muss vorbereitet werden. Frühestens 15, spätestens 20 Tage nach dem Tod des Papstes müssen die weltweit rund 120 Kardinäle unter 80 Jahren zur Wahlversammlung (Konklave) in der Sixtinischen Kapelle in Rom zusammentreten. Auch an den Regelungen der Wahl würde sich im Fall eines Papstrücktritts nichts ändern. (red/APA/Reuters)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Der Papst am Fenster.

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