Rice kritisiert Moskaus autoritäre Tendenzen

7. Februar 2005, 16:35
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Bei dem Treffen mit ihrem russischen Kollegen Lawrow in Ankara ließ die US-Außenministerin mit Kritik an Moskaus Kurs aufhorchen

Ankara/Jerusalem - Zweieinhalb Stunden dauerte das Arbeitsessen in ihrem Hotel in Ankara, dann war Condoleezza Rice - glaubt man den Erzählungen ihrer Mitarbeiter vom Wochenende - mit ihrem russischen Kollegen Sergej Lawrow eine ganze Liste demokratischer Verfehlungen durchgegangen, die die Beziehungen zu den USA erschweren könnten. Rice habe unter anderem die von der russischen Regierung betriebene Zerschlagung des Ölkonzerns Yukos, mangelnde Freiheiten im Medienbereich und die zunehmende Machtkonzentration des Kreml erwähnt.

Die USA erwarteten von Russland auch die Unterstützung von demokratischen Entwicklungen im Ausland, soll Rice gesagt haben. Und es sei "ermutigend", dass Moskau nach anfänglichen Schwierigkeiten dem neuen ukrainischen Präsidenten Viktor Juschtschenko die Hand ausgestreckt und die Beziehungen zu Georgien verbessert habe.

Kurdenstaat

Bei einem Gespräch mit dem türkischen Regierungschef Recep Tayyip Erdogan bemühte sich Rice, Befürchtungen der Türkei über die Entstehung eines unabhängigen Kurdenstaates im Norden des Irak zu zerstreuen. "Wir setzen uns voll für die Einheit des Iraks ein", betonte die US-Außenministerin.

Erdogan sagte nach dem Treffen mit Rice vor Journalisten, die "strategische Partnerschaft" zwischen Washington und Ankara werde "mit derselben Reife und in einem positiven Geist" fortgesetzt. Die Beziehungen der beiden Nato-Partner waren vor dem Irak-Krieg an einem Tiefpunkt angelangt. Die Türkei hatte den US-Truppen den Zugang zu ihrem Territorium verwehrt, die von dort aus den Norden des Irak angreifen wollten. (Reuters, AFP, dpa/DER STANDARD, Printausgabe, 7.2.2005)

Fünf Hauptstädte in drei Tagen: Die neue US-Außenministerin Rice spulte am Wochenende ihre Antrittsbesuche in Europa und in Israel ab.
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