"Währungen bringen den Anleihen heuer Gewinne"

25. Februar 2005, 20:54
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Wenn die USA die Zinsen anheben, heißt das nichts Gutes für Anleihen. Außer man ignoriert es und setzt auf Währungen, meint Fondsmanager Michael Hasenstab

Wien - Die Sorge um den schwachen Dollar wird 2005 die internationalen Märkte bestimmen. Da ist sich Michael Hasenstab, Rentenfondsmanager bei Franklin Templeton, mit vielen Finanzexperten einig. Gerade darin sieht er seine Chance: Er setzt heuer vor allem auf Währungsaufwertungen.

Der Dollar werde in den kommenden Monaten noch zehn bis 15 Prozent an Wert verlieren, vermutet der Experte. Schuld daran sei das wachsende Leistungsbilanzdefizit der USA. Da ein Großteil der Dollarabwertung 2004 im Vergleich zum Euro passierte, rechnet er heuer mehr mit einer Abwertung gegenüber den asiatischen Währungen. "Australien, Neuseeland, Thailand, Korea und Indonesien werden die beste Performance liefern", meint Hasenstab und setzt seinen bereits letztes Jahr eingeleiteten Asienfokus fort. Fallende Zinsen und stabiles Wirtschaftswachstum in diesen Ländern böten eine ideale Ergänzung. Indonesien etwa brächte aktuell eine Verzinsung von rund zehn Prozent.

"Nicht nur an Dollar, Euro und Yen denken"

Vom Stimmungsbarometer im internationalen Rentenmarkt, den amerikanischen Leitzinsen, lässt Hasenstab sich nicht beirren. Viele Finanzexperten rechnen 2005 mit einem schwachen Jahr für Anleihen. Je schneller sich die US-Konjunktur erhole, desto eher werde es zu Zinsanhebungen durch die US-Notenbank kommen, spekulieren Volkswirte. Steigende Zinsen verringern den Anleihewert. "Es gibt ein allgemeines Missverständnis, dass, wenn die USA die Zinsen heben, alle anderen Länder nachfolgen", meint Hasenstab. "Gewinne sind dort zu holen, wo die Märkte wenig Korrelation mit US-Zinsen zeigen. Man darf nicht nur an Dollar, Euro und Yen denken." Der Templeton Global Bond Fonds, der keine einzige US-Schatzanleihe enthält, erwirtschaftete in den vergangenen fünf Jahren eine jährliche Rendite von knapp fünf Prozent, doppelt so viel wie der JP Morgan Global Government Bond Index.

In Europa konzentriert Hasenstab sich auf Staatsanleihen in Skandinavien und die neuen EU-Länder wie Ungarn, Slowakei oder Polen. In Letzteren senke sich das Zinsniveau langsam in Richtung der europäischen Leitzinsen. Gleichzeitig steige die Bonität der EU-Neulinge, die im Schnitt doppelt so schnell wachsen wie die "alten" EU-Staaten. "Die EU befürchtete, die neuen Länder würden eine finanzielle Belastung", meint Hasenstab. "Jetzt zeigt sich, dass sie mit ihren Strukturreformen auf gutem Weg sind, der Trend ist besser als in Westeuropa." Währungen wie der polnische Zloty seien noch stark unterbewertet.

Skandinavische Währungen mit Aufholpotenzial

Auch die skandinavischen Währungen zeigten noch Aufholpotenzial. Das Nicht-EU-Mitglied Norwegen profitiere vom Ölsektor, Schweden, zwar Teil der EU, aber nicht der Eurozone, zeige starkes Wachstum durch Exporte, im Telekom- und im Industriemetallsektor. In beiden Ländern sei die Inflation im Griff. (Nadja Hahn, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7.2.2005)

  • Michael Hasenstab, 32-jähriger Manager des eine Milliarde Dollar "schweren" Templeton Global Bond Fonds. Der Fonds gewann 2004 den S&P Award.
    foto: standard/fischer

    Michael Hasenstab, 32-jähriger Manager des eine Milliarde Dollar "schweren" Templeton Global Bond Fonds. Der Fonds gewann 2004 den S&P Award.

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