Athen lieferte "Bugsy" an Belgrad aus

7. Februar 2005, 16:35
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Das Verfahren um den Mord an Premier Djindjic wird zum politischen Thriller

Schon vor einem halben Jahr in Griechenland verhaftet, wurde Dejan Milenkovic, genannt "Bugsy", einer der Hauptverdächtigen im Prozess gegen die Mörder des serbischen Premier, Zoran Djindjic, erst vergangene Woche der serbischen Justiz übergeben. Seine Ankunft macht den Prozess um den Djindjic-Mord zum politischen Thriller.

Die Aussage von Bugsy, der den Status eines geschützten Zeugen bekommen soll, wird den Verlauf des Gerichtsverfahrens maßgeblich beeinflussen, spekulieren serbische Medien. Er könnte die Anklageschrift gegen den "Clan von Zemun" bestätigen, was die Ermittlungen "dem engsten Umkreis von Premier Vojislav Kostunica gefährlich nahe" bringen könnte. Oder aber er könnte Djindjic mit dem organisierten Verbrechen in Verbindung bringen und dem Hauptangeklagten Milorad Ulemek genannt "Legija" von jeglicher Schuld für das Attentat freisprechen.

"Gläserne Füße"

Kürzlich erklärte der Chef der Ordnungspolizei, Miroslav Milosevic, dass die Anklage gegen Legija "auf gläsernen Füßen" stehe und er einen Freispruch erwarte. Die Demokratische Partei (DS) von Djindjic protestierte empört und forderte den Rücktritt des Polizeigenerals und des Innen- und Justizministers.

Die DS beschuldigte die Regierung den Sonderstaatsanwalt für das organisierte Verbrechen, Jovan Prijic, ablösen zu wollen, bevor Bugsy das erste Mal verhört wird. Der Sonderstaatsanwalt hat nämlich das Recht, jemandem den Status eines geschützten Zeugen zu erteilen oder die Anklageschrift zu verändern. Die DS glaubt, dass Teile der Armee, Polizei, Geheimdienste und der Justiz in das Attentat auf Djindjic involviert waren.

Bugsy selbst war nach einem gescheiterten Attentat auf Djindjic verhaftet worden. Zwei Wochen vor dem Mord an Djindjic hatte er versucht, das Auto des Premiers mit einem Lkw mit österreichischem Kennzeichen zu rammen. Obwohl sein Strafregister lang war, kam er schon nach einem Tag wieder frei. Die Regierung Kostunica drohte ihrerseits fünf enge Mitarbeiter von Djindjic zu verklagen, mit der Begründung, nach dem Attentat seien Bürgerrechte verletzt worden. Der zu dieser Zeit verhaftete Rade Bulatovic ist heute Chef des Geheimdienstes. (DER STANDARD, Printausgabe, 7.2.2005)

Von Andrej Ivanji aus Belgrad
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