Eine Spur von Hexenküche

7. Februar 2005, 13:59
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Bisher wurden alle Herren-Medaillen auf Atomic-Skiern gewonnen

Bormio - Rudi Huber schaut zufrieden durch die Gegend. Seine Ernte ist so reich wie sie nur sein kann. Huber, früher Rennläufer, arbeitet als Chef des Atomic Racing Teams, und dessen männliche Mitglieder brachten das Kunststück zuwege, sämtliche bisher bei Herrenrennen vergebenen Medaillen in Bormio zu gewinnen, also neun Stück. Die Basis des Teams ist breit. Atomic rüstet insgesamt rund 60 Fahrerinnen und Fahrer aus, die zumindest gelegentlich am Weltcup teilnehmen.

Allein für die Hand voll Topleute werden jedes Jahr in Altenmarkt rund 150 Paar Rennskier seriell produziert. Zu Saisonbeginn fasst dann jeder Servicemann rund 20 Paar aus. Während es in der Abteilung Abfahrt früher einmal fünf verschiedene Grundtypen gegeben hat, sind es gegenwärtig nur noch zwei, 2,15 und 2,17 Meter lang, mit Variationen in Taillierung (der Radius muss laut FIS-Vorschrift mindestens 45 Meter betragen) und Konstruktion. Schnell macht den Ski erst die Feinabstimmung. Und das Zusammenspiel von Ski, Bindungsplatte, Schuh und Läufer. Ein eigenes Kapitel betrifft das Kantenfinish, je nach Strecke, Bedingungen und Läufern gibt es die unterschiedlichsten Kantenwinkel und -schärfen. Dafür ist der Servicemann zuständig.

Grundpräparierung

Wie der Sportler beginnt auch das Gerät im Frühjahr mit der Vorbereitung auf die nächste Saison. Ein Rennski gehört gewachselt, gefahren, gewachselt, gefahren und so weiter und so fort, um den Status einer ordentlichen Grundpräparierung zu erlangen. Eine fünfköpfige Testmannschaft, die auch im Winter bei den Adaptierungen behilflich ist, sorgt für dieses Einfahren. Aufgetragen wird in dieser Phase "Lowfluor-Wachs". So richtig schnell macht den vorpräparierten Ski dann ein teures "Highfluor-Wachs." Allein für das Wachs, so Huber, gibt Atomic 150.000 Euro pro Jahr aus. Zu Großhandelsbedingungen.

Huber bestreitet, dass es irgendwelche Bevorzugungen gibt, etwa aus Überlegungen bezüglich des Marketings. "Alle Informationen kommen allen zugute." Dass Bode Miller Skifahren kann, ist der Welt bekannt, aber wie hilfreich ist er bei der Materialentwicklung? Huber: "Er gibt wertvolle Rückmeldungen, kann das Material sehr gut und sehr schnell auf seinen persönlichen Fahrstil abstimmen." Alle diese Meldungen, etwa jene, die Miller an seinen Servicemann Thomas Bürgler, der früher mit Stefan Eberharter arbeitete, gibt, treffen bei Huber ein, der sie an dessen Kollegen zur Verwertung weiterleitet. Kommen wirklich alle zu ihm? "Na ja, bis zu einem gewissen Grad."

Ein bisserl was von Alchemie und Hexenküche ist also schon noch dabei. Und welchen Ski verwendete Miller beim Abfahrtstriumph? Huber: "Einen aus der laufenden Serie. Es war kein Wunderski. Davon gibt's mehrere." (DER STANDARD, Printausgabe, Montag, 7. Februar 2005, bez)

  • Bode Miller setzt auf Atomic.

    Bode Miller setzt auf Atomic.

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