Doppelt geschlagen

6. Februar 2005, 19:17
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Das Kreuz der FPÖ: Um sich an der ÖVP wirksam zu rächen, fehlt es ihr nicht an Gelegenheit, sondern an Kraft - Von Samo Kobenter

Wenn man kein Glück hat, kommt das Pech auch dazu, pflegen Sportler so schön wie schlicht die schwer fassbaren metaphysischen Gründe für ihr schlechtes Abschneiden zu umreißen. Gerade wegen seiner herausragenden Simplizität lässt sich dieses Deutungsmuster auch auf die Politik übertragen - im konkreten Fall auf das fruchtlose Aufbegehren der FPÖ gegen die verordnete Wehrdienstverkürzung durch die ÖVP. So brutal verkantet haben die heimischen Skiläufer und -läuferinnen in Bormio nicht einmal ansatzweise, wem immer das ein Trost sein mag.

Klar ärgert sich FP-Chefin Ursula Haubner maßlos, dass die ÖVP den Freiheitlichen gerade in Heeresfragen auf die Hacken steigt: Damit spricht die ÖVP dem Koalitionspartner den letzten Kompetenzrest ab, nimmt ihm eines seiner wichtigsten Themen weg und verprellt eine traditionelle Wählerklientel der Blauen. Man müsste, politisch gesprochen, schon ein Heiliger sein, wenn einem da nicht Revanchegelüste durch den Kopf gingen.

Aber das ist ja das Kreuz der FPÖ: Um sich an der ÖVP wirksam zu rächen, fehlt es ihr nicht an Gelegenheit, sondern an Kraft. Haubner kann da bloß die Faust im Sack ballen, zu mehr als der bescheidenen Bitte, nicht noch einmal so böse zu sein, reicht es nicht mehr. Und die ÖVP tröstet generös: So etwas wird sicher nicht mehr vorkommen.

Bis zum nächsten Mal hat das immer noch gestimmt, das Muster ist ja nicht mehr neu und erinnert ein wenig an sadomasochistische Rituale, die allen Beteiligten Spaß machen. Nur dass man in dieser strengen Kammer manchmal den Eindruck hat, die einen hätten absichtlich das Kodewort vergessen, mit dem die anderen signalisieren, wann es genug ist. Nicht vergessen: Manchmal hauen sogar Masochisten zurück. (DER STANDARD, Printausgabe, 7. 2.2005)

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