Wenn der Zug nach nirgendwo fährt

21. Februar 2005, 16:52
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Stan Franker, ÖTV-Sportdirektor, wirkt amtsmüde - Die traurige Realität hat die guten Vorsätze deutlich besiegt

Südstadt - Es ist 21 Monate her, dass Stan Franker gesagt hat: "Das Glück sucht einen Geist, der darauf vorbereitet ist. Ich bin vorbereitet." Der österreichische Tennisverband hatte ihn im April 2003 zum Sportdirektor bestellt und mit sämtlichen Vollmachten ausgestattet, Präsident Ernst Wolner war ein richtig glücklicher Herzspezialist. Schließlich war Franker vor rund 20 Jahren an der Schaffung von Thomas Muster, Horst Skoff und Alexander Antonitsch nicht gerade schuldlos. Das Leistungszentrum Südstadt sollte wiederbelebt werden. Hin zum Zentralismus, war das Motto, Kräfte gehörten gebündelt.

Im Februar 2005 schaut der in Surinam geborene Franker (58) eher unglücklich drein. Und der Geist wartet immer noch auf irgendetwas. Wolner sagt: "Es fehlen 200.000 Euro." Das Sportbudget beträgt insgesamt rund 600.000 Euro.

Ein Hauptverantwortlicher, so Wolner, sei nicht billig und mit dem Vorsitzenden eines mittleren Wirtschaftsunternehmens vergleichbar. Er benötige Dienstwohnung, Dienstauto und natürlich eine angemessene Gage. Franker lebt daheim bei seiner Familie in den Niederlanden. Und wird dort bleiben. Er kommt (noch) so 15, 16 oder 17 Wochen im Jahr nach Österreich, checkt im Hotel ein, reist zu Veranstaltungen, führt wichtige und unwichtige Gespräche. Das wird sich reduzieren oder aufhören, Franker spricht von "einer halben Sache, und das ist nichts für mich."

Dass er den Internatsleiter der Südstadt, Gunnar "die-Frau-gehört-in-die-Kuchl" Prokop, "sehr toll findet", ist eindeutig Frankers Problem. Dass "einige Landesverbände nicht kooperieren und die Talente bei sich lassen, damit sie dort überhaupt nichts erreichen", ist eher die Sorge des österreichischen Tennis. Wobei in der Südstadt durchaus eine Art von Leben herrscht.

Keine Genies

Da sind vier bemühte Verbandstrainer - Gilbert Schaller, Peter Eipeldauer, Thomas Weindorfer und Thomas Strengberger - zugegen. Schaller leistet die Basisarbeit, ein Dutzend Jugendliche wird betreut, mehr Buben als Mädchen. "Genies sind keine darunter, ich vermisse bei vielen die Hartnäckigkeit", sagt Schaller, der die Aufgabe des Verbandes so definiert: "Er muss die jungen Leute in kleinen Gruppen ausbilden und vorbereiten. Stehen sie um Platz 200 in der Rangliste, dann haben sie das Niveau erreicht, um in die Welt geschickt zu werden und auf eigenen Beinen zu stehen."

Franker ("einer muss das Sagen haben") hat seinen Optimismus verloren. "Es gibt nur wenige, bei denen ich das Gefühl habe, dass sie das Potenzial besitzen, um Waffen zu entwickeln." Geld sei nicht die einzige Ursache des Dilemmas. "Ein gut betreuter Sportler kostet im Jahr 50.000 Euro, diese Summen kann man sich nicht leisten. Wobei Kreativität mindestens genauso wichtig wäre. Der englische Verband hat mehr Geld als Wasser. Und er bringt auch keine Spitzenspieler heraus." Mit der österreichischen Mentalität komme er, Franker, auch nicht ganz zurecht. "Alles ist negativ, alles wird schlecht gemacht, man träumt nicht. Es kann aber nicht am fehlenden Mut liegen. Denn hier gibt es die besten Abfahrtsläufer. Mut müsste zur Volkskultur zählen."

Für Wolner ist der Sport ein Spiegel der Gesellschaft. "Man braucht sich ja nur die ewige Konvent-Debatte anhören. Im System des Föderalismus will halt keiner Macht abgeben. Wir scheitern sogar daran, die neun Sekretariate in den neun Bundesländern zu konzentrieren. Dass im Moment aber die Generation der jungen Spieler, vor allem bei den Mädchen, nur durchschnittlich ist, hat eher mit Zufall und Pech zu tun."

Schaller hat auch schon davon gehört, dass die Ära Franker bald enden dürfte. Trotzdem, so der Ex-Daviscupper, "darf man die Südstadt nicht infrage stellen. Von der Infrastruktur her spielt die Einrichtung alle Stückerln. Die Weichen für die Zukunft wären prinzipiell gestellt." Es müssten halt nur die Züge kommen. (DER STANDARD, Printausgabe, Montag, 7. Februar 2005, Christian Hackl)

  • Stan Franker

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