Schein und Sein

11. Februar 2005, 14:52
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Die Fotoausstellung "Double Check" in der Camera Austria

Graz - Die Decken mit den farbenfrohen Mustern wurden produziert, um menschliche Körper warm zu halten. Doch die Kombinationen aus Buchstaben und Nummern, die auf ihnen angebracht wurden, erzählen eine andere Geschichte: Anhand dieser Decken wurden Tote im Kosovo identifiziert. Erzen Shkololli hat diese "Blankets" fotografiert.

Sie bringen das Thema der Ausstellung Double Check in der Camera Austria im Grazer Kunsthaus auf den Punkt: versteckte Räume, parallele Geschichten und Realitäten, die sich hinter den Oberflächen von Fotografie verstecken. Die slowenische Kuratorin Marina Grznic und ihr österreichischer Kollege Walter Seidl haben in der spannenden Schau Arbeiten zusammengestellt, die jede für sich einen anderen Zugang zu diesem weiten Feld eröffnen. Das slowenische Kollektiv Irwin stellt Aktionen der Gruppe Oho aus den 70er-Jahren nach. Seine fiktive Lebensgeschichte hält der Amerikaner Jack Pierson mit seinen Self Portraits fest: Kitschig verherrlichende Bildnisse eines Knaben und eines erwachsenen Mannes, die beide nicht mit dem Künstler ident sind. Barbara Caspar montiert in ihrer Doku über die verstorbene Schriftstellerin und Underground-Queen Kathy Ackers deren eigene Zitate mit dem, was andere über die Künstlerin zu sagen hatten.

Ein Glanzlicht sind die drei Enchanted Woods des Spaniers Carlos Aires. Die schwarzen Barockrahmen um die poetisch in Szene gesetzten dämmrigen Waldwege scheinen aus Holz gefertigt zu sein - und sind nur billige Plastikreproduktionen. Und hinter so manchem märchenhaften Gebüsch stellt sich Aires nichts anderes vor, als "zwei Typen, die miteinander ficken". Die abgelichteten Wälder sind nämlich geheime Sextreffs. (DER STANDARD, Printausgabe vom 7.2.2005)

Von
Colette M. Schmidt
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