Klein ist das Land, groß die Hoffnung

8. Februar 2005, 12:29
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Olympia-Quali: OEHV-Team bezwingt Dänemark im Testspiel mit 3:1 - Gutes Schlussdrittel machte Sieg möglich

Klagenfurt/Wien - Da kann die Eishockey-WM heuer tausendmal in Wien und Innsbruck stattfinden, Teamchef Herbert Pöck wird gar nicht gern darauf angesprochen. "Viele Fans und Journalisten", beschwert er sich, "denken nur noch an diese WM." Pöck selbst denkt an die Olympia-Qualifikation für Turin 2006, das diesbezügliche Turnier beginnt am Donnerstag in Klagenfurt. Die Gegner heißen Kasachstan, Frankreich und Ukraine, am Montag wurde gegen Dänemark getestet. Die US-Legionäre Thomas Vanek, Matthias Trattnig und Thomas "Sohnemann" Pöck treffen fürs Probespiel allerdings zu spät ein, ihre Qualitäten stehen ohnedies außer Zweifel.

Österreichs Eishockey-Spieler 2004

Der Steirer Vanek, der bei der Vorjahrs-WM für Furore sorgte und bei den Buffalo Sabres, die ihn als Nummer fünf gedraftet hatten, einen NHL-Vertrag unterschrieb, steht seit gestern als österreichischer Eishockey-Spieler 2004 fest. Vanek (21) wurde in der Umfrage des Fachmagazins Powerplay von Trainern und Journalisten gekürt, er spricht von einer "großen Ehre", mit der WM und dem Buffalo-Kontrakt seien "gleich zwei Träume in Erfüllung gegangen". Nun, da die NHL wegen des Streits zwischen Klubeigentümern und Spielergewerkschaft um eine Gehaltsobergrenze ("salary cap") ausgesetzt und fast schon auszuschließen ist, dass in dieser Saison noch gespielt wird, mutierte die zweite Spielklasse quasi zur ersten, und Vanek scort in der AHL für die Rochester Americans.

Er hätte im AHL-All-Star-Game (140 Millionen TV-Haushalte) spielen können, spielt aber lieber in Klagenfurt ums Olympia-Ticket. Auch der Klub ließ sich überzeugen, obwohl Vanek neben dem All-Star- vier Rochester-Spiele versäumt. "Olympia", sagt Teamchef Pöck, "hat in Nordamerika einen hohen Stellenwert." Indes lässt sich bereits absehen, dass die Heim-WM für Vanek kein Thema ist, Rochester wird wohl die erste AHL-Playoff-Runde überstehen und seinen Goalgetter nicht gehen lassen.

Sowohl in der Olympia-Quali als auch bei der WM muss das Team ohne Goalie Reinhard Divis auskommen, der NHL-erprobte Keeper wird an der Schulter operiert. Bernd Brückler bekam von seinem Collegeteam, der University of Wisconsin, keine Freigabe, so baut Teamchef Pöck in Klagenfurt auf ein Torhüter-Trio aus der Erste Bank Eishockey Liga. Der größte Druck lastet wohl auf dem routinierten Claus Dalpiaz (Innsbruck), seine Back-ups sind Patrick Machreich (Graz) und Jürgen Penker (Salzburg).

Ein US-Trio fehlt

Die Tatsache, dass die Besten, um besser zu verdienen, ins Ausland drängen, führt auch dazu, dass Österreich bei großen Turnieren immer wieder auf Spitzenkräfte verzichten muss. Von den US-Legionären fehlen in Klagenfurt neben Brückler auch Christoph Brandner (Houston Aeros) und Andre Lakos (Syracuse Crunch). "Adäquaten Ersatz für solche Spieler gibt es nicht", sagt Teamchef Pöck, "wir sind ein kleines Land."

Testsieg

Österreich hat das freundschaftliche Länderspiel gegen Dänemark am Montagabend mit 3:1 (0:1,1:0,2:0) gewonnen. Die ÖEHV-Truppe siegte vor 500 Zuschauern dank Treffern von Raimund Divis (21.), Unterluggauer (52. PP) und Ressmann (53. PP).

(DER STANDARD, Printausgabe, Montag, 7. Februar 2005, Fritz Neumann, red)

Zum Thema:

Generalprobe gegen Dänemark ohne US-Legionäre ÖEHV-Teamchef Pöck nominierte Ressmann nach - Schlimm: Divis, Brandner, Lakos verletzt

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    Wir blicken zurück: Moren Green (DEN/li) gegen Dieter Kalt (AUT) im freundschaftlichen Länderspiel zwischen Österreich und Dänemark am 21. April 2004 in der Albert Schultz Halle in Wien. Das Spiel endete 2:2.

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