Bahn-Pakt gegen Passagierschwund

23. Februar 2005, 13:08
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ÖBB, Deutsche Bahn und Trenitalia wollen jährlich 100.000 Passagiere mehr Richtung Süden auf die Schiene bringen

Wien - Wer nach Italien will, nimmt das Auto oder einen Billigflieger. Diese Erklärung haben zumindest die ÖBB, die italienische Staatsbahn Trenitalia und die Deutsche Bahn (DB) für den drastischen Passagierrückgang auf ihren Schienen Richtung Süden. Eine nun geschlossene trinationale Vereinbarung soll jährlich 100.000 Passagiere zurückbringen.

"Zum Teil haben wir fast 20 Prozent an Passagieren eingebüßt", gesteht DB-Personenverkehrsvorstand Karl-Friedrich Rausch im Exklusivgespräch mit dem STANDARD ein. Auch die Einnahmen im österreichisch-italienischen Verkehr sind um zwölf Prozent gesunken. Im November einigten sich ÖBB und Trenitalia daher auf eine verstärkte Zusammenarbeit - mit schnelleren Zügen, günstigeren Tickets und leichterer Buchung.

Rückgang

Mit diesen Rezepten hofft man auch bei der DB den Passagierrückgang zu stoppen. Bei einem Treffen am Semmering einigten sich Rausch und seine Kollegen Enrico Trapazzo und Stefan Wehinger (bei den ÖBB für den Personenfernverkehr zuständig) auf mehrere Maßnahmen.

"Es gibt vier Stoßrichtungen", schildert Wehinger. "Ein gemeinsames Marketingsystem, wo Experten aller drei Bahnen Strecken bearbeiten und genaue Zielvorgaben bekommen. Eine gemeinsame Internetplattform und verbesserte Qualität, die von den jeweils anderen Bahnen kontrolliert wird."

Gute Erfahrungen mit 29-Euro-Tickets

Und schließlich einheitliche Preise, die unter den bisherigen liegen. Mit den 29-Euro-Aktionen hat man sowohl in Deutschland als auch Österreich gute Erfahrungen gemacht. "Nachdem wir im Vorjahr rund 250.000 dieser Tickets verkauft haben, wird das Kontingent heuer auf 460.000 erhöht", kündigt Wehinger an.

Dazu soll die Fahrzeit auf der wichtigen Strecke zwischen München und Bozen um eine halbe Stunde auf dreieinhalb Stunden verkürzt werden. All das soll jährlich 100.000 Passagiere mehr bringen. Für die Zukunft schließt der ÖBB-Manager auch die Gründung einer eigenen Firma, die den Verkehr zwischen den drei Staaten betreut, nicht aus.

Abgeflogen

Für längere Fahrten Richtung Süden ist die Bahn übrigens kaum die richtige Alternative, wie die Bahnmanager demonstrieren. Denn nach der Vertragsunterzeichnung begab man sich zum Flughafen Schwechat: Aufgrund ihres Terminstresses nahmen Enrico Trapazzo und Karl-Friedrich Rausch den Flieger nach Hause. (Michael Möseneder, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7.2.2005)

  • Die Personenverkehrs-Vorstände der Duetschen, der Italienischen Bahn und der ÖBB (v.li.): Karl Friedrich Rausch, Enrico Trapazzo und Stefan Wehinger fuhren im CAT zum Abflug nach Schwechat.
    foto: standard/newald

    Die Personenverkehrs-Vorstände der Duetschen, der Italienischen Bahn und der ÖBB (v.li.): Karl Friedrich Rausch, Enrico Trapazzo und Stefan Wehinger fuhren im CAT zum Abflug nach Schwechat.

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