Was ist Terror?

7. Februar 2005, 13:09
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Kontroverse bei Anti-Terror-Konferenz in Riad - Arabische Länder: Kein Zusammenhang zwischen Islam und Terrorismus

Riad - Geheimdienstchefs und Experten aus mehr als 40 Nationen haben am Wochenende bei einer Anti-Terror-Konferenz in Saudiarabien nach Wegen gesucht, den islamistischen Terrorismus wirksam zu bekämpfen. Eine Einigung auf eine gemeinsame Strategie bis zum Ende der viertägigen Konferenz dürfte jedoch nach Einschätzung von Delegierten schwierig werden.

So wehrten sich arabische Politiker zu Beginn der von starken Sicherheitsmaßnahmen begleiteten Konferenz am Samstag in Riad strikt dagegen, einen Zusammenhang zwischen der Botschaft des Islam und der Ideologie der Terrorgruppen herzustellen. Der Generalsekretär der Arabischen Liga, Amr Mussa, erklärte: "Wir lehnen es ab, was einige Gruppierungen behaupten, dass das islamische Denken angeblich hinter dem Terrorismus steht."

Scheuklappen

Der Beauftragte der deutschen Regierung für die Bekämpfung des internationalen Terrorismus, Georg Witschel, warnte jedoch, wer den Terror effektiv bekämpfen wolle, müsse sich ohne ideologische Scheuklappen auch mit den politischen und religiösen Motiven der Täter auseinander setzen. "Wer Terroristen als einfache Kriminelle bezeichnet, wird dem Ausmaß des Problems letztlich nicht gerecht", sagte er nach einem im Voraus verbreiteten Redetext.

Auch traten in Riad Differenzen bei der Definition von Terrorismus zu Tage. Vertreter westlicher Staaten erklärten, Anschläge auf Zivilisten seien durch nichts zu rechtfertigen. Saudiarabiens Minister für religiöse Stiftungen, Scheich Salah al Sheikh, äußerte dagegen am Sonntag Verständnis für Attentäter, die in den Palästinensergebieten und im Irak Zivilisten angreifen. Der Minister berichtete, saudiarabische Religionsgelehrte bemühten sich, Sympathisanten des Terrornetzwerks El Kaida, die nicht zum militanten Kern der Gruppe gehörten, in Internetforen auf den rechten Weg zurückzuführen. In einem Viertel der Fälle sei man damit bisher erfolgreich gewesen, sagte er.

"Langer und schwieriger Kampf"

Mehr als 200 Menschen sind seit 2003 in Saudiarabien durch Anschläge militanter Islamisten ums Leben gekommen, darunter zahlreiche Ausländer, Polizisten und, nach offiziellen Angaben, 92 Terroristen. Seit den Flugzeugattentaten des 11. Septembers 2001 haben die saudiarabischen Sicherheitskräfte nach eigenen Angaben Tausende von Verdächtigen befragt und mehr als 700 mutmaßliche Terroristen verhaftet.

Der saudische Kronprinz Abdullah bin Abdelaziz, der De-Facto-Herrscher seines Landes, sagte bei der Eröffnung: "Unser Krieg gegen den Terror wird lang und schwierig sein". Er rief zur Gründung einer internationalen Organisation zur Terrorbekämpfung auf. Westliche Terrorexperten betonten, um dem Terrorismus den geistigen Nährboden entziehen, sei in einigen Staaten auch eine kritische Revision der Lehrinhalte nötig. Keine Regierung dürfe eine Ideologie fördern, die Nicht-Muslime als minderwertig ansehe.

Die Beraterin von US-Präsident George W. Bush für innere Sicherheit, Frances Townsend, beschuldigte den Iran und Syrien am Sonntag, sie unterstützten Terrorgruppen. Als positives Beispiel für Freiheit und Demokratie in der Region führte sie die "erfolgreichen Wahlen im Irak" an. (APA/dpa)

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    Ein kleines Fahnenmeer.

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