Millers Mann im Hintergrund

6. Februar 2005, 14:14
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Ex-Schett-Manager Habermann betreut jetzt den US-Skistar: "Ein Denker, ohne etwas zu zerdenken"

Bormio - Der Abfahrtstriumph von Bode Miller in Bormio hat auch die US-Medien wachgerüttelt. Noch nie war die Zahl der TV-Network-Anfragen so groß wie nach der Einski-Show und den beiden WM-Goldmedaillen, verkündete US-Pressechef Tom Kelly stolz. NBC berichtete am Tag vor der Superbowl zwei Stunden von Millers WM-Heldentaten. Miller, in Europa längst ein Superstar, ist in den USA aber noch eine vergleichsweise kleine Nummer. Die Aufgabe, das zu ändern, hat ein Österreicher. Der gebürtige Badener Marc Habermann (37), jahrelang Presse- und PR-Betreuer von Barbara Schett, ist seit diesem Winter der Mann hinter Bode Miller. (APA)

Sie waren jahrelang der "Schatten" von Barbara Schett, wie kommen Sie zu Bode Miller?
Habermann:
"Man hat mich Mitte Dezember kontaktiert, nachdem Bode sechs von zehn Rennen gewonnen hatte und ein Bedarf an Marketing, Sponsoren- und Medienbetreuung rund um ihn da war. Ich habe einen Beratervertrag für das US-Herrenteam bis 30. März, den Hauptanteil macht wegen seiner Erfolge natürlich Bode aus."

Warum Sie?
Habermann:
"Ich war schon von 1995 bis 1999 im Skiweltcup, aber auf der Eventseite. Ich kenne das Umfeld und alle Leute im Weltcup, habe danach sechs Jahre Sportler und Medien betreut. Man hat mich vorgeschlagen, und ich konnte mich kurzfristig frei machen. Dass Barbara Schett mit dem Tennis aufgehört hat, hat sich passend ergeben."

Der Unterschied zwischen Tennis und Ski?
Habermann:
"Tennis ist logistisch angenehmer. Es ist meist warm oder findet in der Halle statt, ist organisierter und vorhersehbarer. Im Ski musst du viel flexibler sein".

Wie bei Bode?
Habermann
(lacht): "Stimmt. Er ist so unkompliziert, dass es schon wieder kompliziert ist. Er lebt so für den Moment, dass man oft nie genau weiß, woran man ist. Ich habe versucht, mit ihm eine Strategie für die WM zu erarbeiten, aber er hat nur gesagt, lass es uns Tag für Tag nehmen. Nach dem Super G waren eine Menge Anfragen da, aber er hat sich einfach frei genommen. Insgesamt ist er ein netter, freundlicher und umgänglicher Kerl. Ein Denker, aber keiner, der etwas zerdenkt."

Was genau ist Ihre Aufgabe?
Habermann:
"Wir pushen ihn vor allem in den USA, denn in Europa ist er ohnehin ein Selbstläufer. Deshalb haben wir in den vergangene Wochen exklusive Interviews mit Time- und People Magazine, der LA- und New York-Times, dem Spiegel, USA Today, NBC und diversen Radiostationen gemacht. Und dann gibt es da noch die Kolumne in der Denver Post, die der Kurier für Österreich übernimmt."

Und funktionierts?
Habermann:
"Ja, es tut sich was in Amerika. Er ist noch nicht der Superstar dort, weil er dafür den falschen Sport ausübt. Aber man kennt ihn mittlerweile. Olympia zählt dort am meisten."

Bode beklagt sich intensiv über den ganzen Stress rund um die Rennen.
Habermann:
"Er weiß, dass das dazugehört. Es tut ihm auch oft leid, denn er will ja nicht unfreundlich sein. Aber auch er muss sich die Energien einteilen. Die Masse macht es aus, nicht der Einzelne. Er muss sich anfangen abzugrenzen, sonst nimmt es zu viel Energie weg".

Auch ein Hermann Maier musste damit leben.
Habermann:
"Bode ist ohnehin ein Vielredner, man muss ihn oft bremsen. Er beschließt halt für sich allein, was gut für ihn ist. Er verzichtete auf eine Besichtigung und liest lieber ein Buch, fährt nicht mit Tausenden in Wengen rauf sondern eine halbe Stunde vor dem Rennen und wird Dritter. Er teilt sich das super ein. Man muss ihm überlassen, wo er sich abgrenzt. Das ist für ihn der einzig richtige Weg. Wenn er gerade deswegen erfolgreich ist, muss man ihm Freiraum lassen. So wie hier in Bormio, wo er im Bus am anderen Ende des Ortes schläft. Er ist ein Superstar, das war bei Tomba, Maier auch nicht anders".

Wird er den Weltcup als erster US-Amerikaner seit Phil Mahre 1983 endlich gewinnen?
Habermann:
"Er sollte es hinkriegen. Allein schon, weil noch mehr Speed- als Technikbewerbe sind. Bode hat einen Riesenrespekt vor Benjamin Raich, aber wenn nichts Außergewöhnliches passiert, sollte er es schaffen."(APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Bode Miller mit seinem österreichischen PR-Betreuer Marc Habermann.

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