Kindesentführung durch Europa: Vater nach U-Haft wieder frei

10. Februar 2005, 12:03
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Das vierjährige Mädchen ist in Obhut einer Tante

Düsseldorf/Wien/Sarajewo - Einen Tag nach seiner dramatischen Flucht quer durch Europa ist der in Bosnien festgenommene Entführer seiner Tochter wieder auf freiem Fuß. Der 29-Jährige wurde im bosnischen Banja Luka aus der Untersuchungshaft entlassen, weil er sich um das vierjährige Mädchen kümmern müsse, sagte der zuständige Untersuchungsrichter dem Fernsehen der bosnischen Serbenrepublik am Montagabend. Das Kind war seit Sonntag bei einer Tante untergebracht.

Der Mann, der nach unbestätigten Angaben die bosnische Staatsbürgerschaft hat, hatte seine Tochter nach einem Streit mit seiner Ehefrau aus dem rheinischen Viersen verschleppt und war mit dem Kind schwer bewaffnet über Österreich, Slowenien und Kroatien bis nach Bosnien geflohen. Dort hatte er aufgegeben und sich gestellt.

Nach der 15-stündigen Verfolgungsjagd quer durch Europa wurde der Kindesentführer festgenommen und am Montag in die Untersuchungshaft nach Banja Luka gebracht. Gegen den Entführer ist in Deutschland Haftbefehl wegen Kindesentziehung, Geiselnahme und anderer Delikte erlassen worden. Über eine Auslieferung des Täters und die Heimkehr des Mädchens zu seiner Mutter war am Montag noch nicht entschieden. Das Auswärtige Amt in Berlin bestätigte lediglich, dass es mit den örtlichen Behörden in Kontakt stehe.

Ehestreit

Nach Informationen der österreichischen Polizei hat der Mann ausgesagt, er wollte das Kind mit seiner Flucht in Sicherheit bringen. Er befürchte, dass das Mädchen durch angebliche Männerbesuche seiner getrennt lebenden Ehefrau Schaden nehme.

Der Mann war am Sonntag gegen 7.00 Uhr bei Passau mit dem Mädchen über die Grenze gekommen. Die österreichischen Behörden übernahmen die Verfolgung von ihren deutschen Kollegen. Einem Observationsteam des Bundeskriminalamtes und einem Team des Einsatzkommandos Cobra bot sich aber genauso wenig eine Gelegenheit für einen für das Kind sicheren Zugriff wie zuvor der deutschen Polizei. (APA/dpa)

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